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Hamburg : Trotz Denkmalschutz: City-Hochhäuser werden abgerissen

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Der City-Hof, ein Ensemble mit vier sanierungsbedürftigen Hochhäusern wird abgerissen. Das sorgt für Zustimmung und Kritik.

Städtebaulich ist es für Hamburg eine Entscheidung von buchstäblich zentraler Bedeutung. Und doch kommt die Weichenstellung zum Abriss der City-Hochhäuser durch die kalte Küche: Nach Jahren des Streits entschied sich das Schicksal des denkmalgeschützten Ensembles nun durch das Fehlen eines geeigneten Retters. Das geht aus einer Zwischenmitteilung zum Bieterverfahren für die Immobilie hervor, die offiziell City-Hof heißt. Laut Finanzbehörde hat sie gerade den letzten interessierten Investor aussortiert, der die vier Hochhäuser an der Nahtstelle von City und Hafencity erhalten und sanieren wollte. Im Rennen bleiben so noch zwei Bewerber, deren Konzept Abriss und Neubau vorsieht.

Laut Behörde habe das Konzept des sanierungswilligen Bieters die Angebotsbedingungen nicht eingehalten. Die beiden verbliebenen Neubau-Gebote würden nun abschließend bewertet, der Zuschlag soll im Herbst erfolgen. Der Sieger ist sodann gehalten, einen städtebaulichen Wettbewerb zur architektonischen Umsetzung mit je fünf Hamburger, nationalen und internationalen Architekturbüros auszurufen. Die Finanzbehörde verspricht: „Besonderes Augenmerk wird der Wettbewerb auf die sensible städtebauliche Einbindung des Weltkulturerbes Kontorhausviertel legen.“

Abriss-Kritiker vermag das nicht zu beschwichtigen. „Ein schwarzer Tag für den Denkmalschutz“, urteilte Marco Alexander Hosemann, der mit einer Initiative für den Erhalt des City-Hofes kämpft. Im Vorfeld der Entscheidung hatten sich auch namhafte Architekten und andere Fachleute für die Rettung der Hochhäuser aus den 1950er Jahren ausgesprochen, darunter die Spitze des Internationales Rats für Denkmalpflege. Der Hamburger Star-Architekt Volkwin Marg warf dem Senat „Geschichtsvergessenheit“ vor, weil er bei der Ausschreibung die Erhaltung der Gebäude nicht zur Auflage gemacht hatte. Als „herausragendes Beispiel der Nachkriegsbebauung“ steht der City-Hof unter Denkmalschutz.

Dennoch hält Oberbaudirektor Jörn Walter das Ensemble für verzichtbar, ja als Hemmschuh für eine Neugestattung des Grundstück am Hauptbahnhof. Er wünscht sich an dem Tor zur City eine moderne Mischung aus Gewerbe und Wohnen. Die City-Hochhäuser gelten den meisten Betrachtern auf den ersten Blick vor allem als hässlich, spätestens seit graue Eternitplatten die einst schneeweiße Fassade verdecken. Der Umzug der Bezirksverwaltung Mitte als Hauptmieter ist seit längerem beschlossene Sache. Aus dem Verkauf des innerstädtischen Filetstücks erhofft sich der Senat eine Einnahme von mehr als 20 Millionen Euro.

Kritik kommt aus der Opposition. Der FDP-Abgeordnete Jens P. Meyer sagt: „Auch wenn diese Gebäude nicht dem aktuellen Zeitgeist entsprechen, sind sie ein wichtiges Zeugnis jüngerer Stadtentwicklungsgeschichte, die dem Schutz der Denkmalbehörde unterstehen sollten.“ Spätestens mit der Ernennung des angrenzenden Kontorhausviertels zum Weltkulturerbe hätte die Akteure umschwenken und „dem Kulturgut gegenüber einer optimalen wirtschaftlichen Verwertung Vorrang geben müssen“.

Seine CDU-Kollegin Birgit Stöver sprach von „ganz schlechtem demokratischem Stil“ und nannte das Bieterverfahren eine „Alibiveranstaltung“. Nach „offensichtlichen Verhandlungsabsprachen der Finanzbehörde mit Investoren“ sei eine parlamentarische ergebnisoffene Entscheidung kaum noch möglich.

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erstellt am 04.Sep.2015 | 17:16 Uhr

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