Hamburg : Triebtäter wegen Vergewaltigung während Freigangs vor Gericht

Der Mann nutzte Vollzugslockerungen, um sich erneut an einer Frau zu vergehen.

shz.de von
05. Dezember 2018, 15:25 Uhr

Hamburg | Die Frau muss ein Martyrium erlitten haben: Als der Staatsanwalt am Mittwoch die Anklage verliest, kommen grausame Details ans Licht. Zunächst soll der 57 Jahre alte Angeklagte mit der Prostituierten im April auf einer Baustelle im Stadtteil St. Georg unter anderem einvernehmlich Oralsex gehabt haben. „Aus Wut über seine ausbleibende Erektion“ zwang er die Frau laut Anklage danach, sich auszuziehen, fesselte ihre Hände auf dem Rücken und vergewaltigte sie mit Gegenständen auf brutale Art und Weise. Am Ende beschimpfte er die wimmernde Frau demnach als Schlampe und warf ihr zehn Euro mit den Worten zu: „Die hast Du Dir schon mal verdient.“

Auf Antrag der Verteidigung wurde die Öffentlichkeit nach der Anklageverlesung ausgeschlossen. Bereits mit 25 Jahren hatte der Angeklagte, der bereits mehrmals wegen Vergewaltigung und Totschlags verurteilt wurde, mehrere Frauen überfallen und vergewaltigt. Schon damals, im Jahr 1986, ordnete das Landgericht Lübeck Unterbringung in einer geschlossenen psychiatrischen Einrichtung in Neustadt in Holstein an. Nachdem der gebürtige Hamburger auf Bewährung freigekommen war, tötete er 1994 eine Frau, die er in der Klinik kennengelernt hatte. Auch sie hatte er vor ihrem Tod gefesselt und geknebelt.

Sado-sexuelle Persönlichkeitsstörung

Laut Gerichtssprecher hat der Mann eine sado-sexuelle Persönlichkeitsstörung. Woher diese kommt, konnte der Sprecher nicht sagen. Der Mann sei in einer „normalen“ Familie aufgewachsen und habe eine Ausbildung zum Nähmaschinenmechaniker gemacht. In diesem Beruf habe er anschließend auch gearbeitet. Warum er begann, Frauen zu überfallen, sei unklar. Tatsache ist, dass der Mann, der im Gerichtssaal einen eher unscheinbaren Eindruck machte, wieder rückfällig wurde und neben dem Totschlag 1994 auch eine Radfahrerin vergewaltigte. Dafür wurde er zu vierzehn Jahren Haft und einer erneuten Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik in Hamburg verurteilt.

Seit Dezember 2015 erhielt der Mann Vollzugslockerungen - er durfte die Klinik zunächst in Begleitung und dann für wenige Stunden alleine verlassen. Seit September 2017 hatte der Angeklagte für 30 Stunden eine Praktikumsstelle in einem Fahrradgeschäft und zusätzlichen Ausgang. Das hatte die Klinikleitung in Absprache mit der Staatsanwaltschaft Kiel entschieden. Ein halbes Jahr später soll er die Prostituierte in St. Georg vergewaltigt haben, DNA-Spuren führten zum mutmaßlichen Täter. Die Videoaufzeichnungen der Vernehmung der 45 Jahre alten Prostituierten durch Polizeibeamte sollen ohne Öffentlichkeit gezeigt werden. Ein Urteil wird für Februar erwartet.

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