Staatsakt für den Altkanzler : Trauerfeier für Helmut Schmidt: Ein würdevoller Abschied

Der Sarg des Ex-Bundeskanzlers Helmut Schmidt wird am Montag von Soldaten einer Ehrenformation nach dem Staatsakt aus der St. Michaeliskirche getragen.

Der Sarg des Ex-Bundeskanzlers Helmut Schmidt wird am Montag von Soldaten einer Ehrenformation nach dem Staatsakt aus der St. Michaeliskirche getragen.

Die Welt sagte am Montag in Hamburg „Tschüss“ zum Altbundeskanzler. Und zwar ganz nach dessen Geschmack, schreibt Erich Maletzke.

shz.de von
23. November 2015, 19:50 Uhr

Mit allzu viel Lob pflegte Helmut Schmidt vorsichtig umzugehen. Aber der Staatsakt im Michel, der hätte ihm sehr gefallen. „Nicht zu viel Gedöns“, hätte er gesagt, „dafür klare Worte, und auch der musikalische Teil wunderbar. Trug alles noch einmal meine Handschrift.“

In der Tat ist hierzulande noch kein anderer Staatsmann bewegender, würdevoller und auf die Person bezogen typischer verabschiedet worden als Helmut Schmidt. Statt der üblichen Lilien und Rosen als Sargschmuck schlichte Sonnenblumen, statt Beethoven Bach und Vertontes von Matthias Claudius und Klaus Groth.

Verlässt ein Großer die Welt, egal ob Kunstschaffender oder Politiker, wird sein Leben noch einmal gründlich aufgerollt. Nach einer Woche verebben die Ehrungen, und man hört ein „Nun ist auch gut“. Bei Helmut Schmidt gilt diese Erfahrung nicht. Der Tod hat seine ohnehin große Popularität einmal mehr verdeutlicht, ja noch größer werden lassen.

Dabei hat er politisch viel weniger bewegt als „Arbeitskollegen“. Er hat kein vereintes Europa geschaffen und nicht wesentlich die deutsche Wiedervereinigung befördert. Er hat im Kampf mit der RAF sogar Entscheidungen treffen müssen, die ihn sein Leben lang bedrückt haben. Und dennoch trug ihn mit zunehmendem Alter eine wachsende Welle der Sympathie wie sie weder Helmut Kohl noch Hans-Dietrich Genscher erreichten.

Von Schmidt sollten sich die Politiker ein Stück abschneiden, so hörte man immer wieder. Dann würde sich das Ansehen der politischen Kaste bestimmt verbessern. Wahrscheinlich ist das nur frommes Wunschdenken; denn aus der Distanz lässt sich der Kampf des Alltags besser beurteilen als in der Rolle des Mitstreiters.

Als Hauptredner bei der Trauerfeier hatte sich Helmut Schmidt Henry Kissinger gewünscht. Der aus Deutschland vertriebene und zum amerikanischen Außenminister aufgestiegene Jude erfüllte die Bitte nicht nur, sondern er hielt seine bewegende Gedenkrede auf Deutsch. Das war eine doppelte Ehrung für den Freund und Wegbegleiter.

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