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Vater auf der Flucht : Tote Zweijährige in Hamburg: Vater war ausreisepflichtig

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Warum wurde der ausreisepflichtige Mann nicht abgeschoben und haben die Hamburger Schutzbehörden erneut versagt? Die CDU fordert Aufklärung vom Senat.

shz.de von
erstellt am 27.Okt.2017 | 09:32 Uhr

Hamburg | Die Ermordung des zweijährigen pakistanischen Mädchens wirft viele Fragen auf. Fragen, die jetzt auf Antrag der CDU und mit Zustimmung der anderen Parteien in der Hamburgischen Bürgerschaft beantwortet werden sollen. Am 3. November, wird sich der Familienausschuss mit dem Fall befassen. Die CDU erwartet eine erste Information des Senats zum Sachverhalt.

Dazu erklärt Philipp Heißner, familienpolitischer Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion: „Wir fragen, wie es dazu kommen konnte. Wenn der Vater als Gewalttäter bekannt ist und die Familie engmaschig betreut wird, ist es eigentlich Aufgabe der Behörden, genau solchen Vorfällen vorzubeugen“. Wieder einmal stehe der Verdacht im Raum, dass die Schutzmechanismen der Behörden versagt haben. Hamburg habe beim Kinderschutz eine unrühmliche Vergangenheit. Die Rolle der Behörden müsse lückenlos aufgeklärt werden. 

2013 wurde beispielsweise die dreijährige Yagmur von ihrer Mutter zu Tode misshandelt, 2015 starb der kleine Tayler, nachdem sein Stiefvater ihn geschüttelt hatte. Alle Familien waren dem Jugendamt bekannt.

Wie berichtet, war der 33-jährige Vater, der seiner Tochter am Montagabend die Kehle aufschlitzte, bei der Polizei, beim Jugendamt und bei der Staatsanwaltschaft bekannt. Zuletzt war die 32-jährige Mutter am Tattag zur Polizei gegangen, um ihren Mann wegen Bedrohung anzuzeigen. Doch da war es schon zu spät: Als die Beamten die Wohnung betraten, entdeckten sie das tote Kind.

Doch auch schon vor der Tat waren Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung und Bedrohung seiner Ehefrau und seines sechsjährigen Stiefsohns eingeleitet worden. Das Jugendamt hatte die Familie seit längerer Zeit betreut, weil sich der Mann immer wieder aggressiv verhalten hatte. Der zweimal in den Akten geäußerte Verdacht der Kindeswohlgefährdung  habe sich aber in beiden Fällen nicht bestätigt.

Die CDU wirft außerdem die Frage auf, warum sich der als hoch aggressiv geltende Mann, der den Behörden bekannt war, noch immer in Deutschland aufhielt. Denn der 33-Jährige ist ein abgelehnter Asylbewerber aus Pakistan. Er hatte Ende 2011 in Hessen Asyl beantragt. Anfang 2012 wurde der Antrag abgelehnt. Im Juli 2012 war der Mann ausreisepflichtig, konnte aber nicht abgeschoben werden, weil er angeblich seinen Ausweis verloren hatte. 

Nach der Geburt des Mädchens 2015 durfte der Pakistaner im Januar 2016 nach Hamburg ziehen. Hier wurde sein  Antrag auf eine Aufenthaltserlaubnis abgelehnt. Dagegen legte der Vater Widerspruch ein. Sein Anwalt erreichte mit einem Eilantrag einen sogenannten Hängebeschluss des Verwaltungsgerichts. Das bedeutet: Der Mann durfte aufgrund der familiären Bindung nicht abgeschoben werden.

Dennis Gladiator, innenpolitischer Sprecher der CDU-Bürgerschaftsfraktion, bezeichnet das als ein Unding. Generell gelte zwar, Schutz, wem Schutz gebühre. „Wer aber seine Ausweispapiere zurückhält oder die Beschaffung von Ausweispapieren behindert und sogar polizeilich in Erscheinung tritt, gehört in Abschiebehaft“, fordert der CDU-Politiker. 

Während also die politische Aufarbeitung begonnen hat, ist die Aufklärung noch nicht vorangekommen. Der Vater ist weiter auf der Flucht, die Polizei sucht ihn mit Zivilfahndern. Nach inoffiziellen Angaben der Polizei werde aus ermittlungstaktischen Gründen bislang auf eine Öffentlichkeitsfahndung verzichtet. Grundsätzlich gilt aber auch: Erst wenn alle anderen Maßnahmen erfolglos bleiben, darf die  Öffentlichkeitsfahndung als letztes Mittel eingesetzt werden.

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