zur Navigation springen

Misshandelte Dreijährige : Tote Yagmur – Mutter bleibt Weihnachten in Haft

vom

Kommt die Mutter des toten Mädchens aus Hamburg-Billstedt wieder auf freien Fuß? Die Entscheidung fällt erst nach Weihnachten. Der Vater steht unter dringendem Tatverdacht, die kleine Yagmur misshandelt zu haben, die Mutter soll nichts dagegen unternommen haben.

shz.de von
erstellt am 23.Dez.2013 | 16:06 Uhr

Hamburg | Das Hamburger Landgericht entscheidet erst nach den Weihnachtsfeiertagen, ob die Mutter des toten Mädchens Yagmur unter Auflagen wieder auf freien Fuß kommt. Die Entscheidung werde am 27. Dezember erwartet, sagte Gerichtssprecher Alexander Witt am Montag. Die Dreijährige aus Hamburg-Billstedt war am Mittwoch an einem Leberriss innerlich verblutet. Der Vater steht unter dringendem Tatverdacht, sie misshandelt zu haben, die Mutter soll nichts dagegen unternommen haben.

Nach dem gewaltsamen Tod des Kindes hatte ein Richter gegen beide Eltern Haftbefehle erlassen. Nach einem Haftprüfungstermin auf Antrag der Mutter beschloss das Amtsgericht jedoch, sie zunächst von der Untersuchungshaft zu verschonen – unter anderem, weil sie maßgeblich zur Aufklärung beigetragen habe. Dagegen legte die Staatsanwaltschaft Beschwerde ein. Die Entscheidung liegt nun bei drei Richtern am Landgericht.

Unterdessen hat der Hamburger Sozialsenator Detlef Scheele (SPD)eine schnelle und lückenlose Aufklärung des Todes der dreijährigen Yagmur angekündigt. Der Senat könne auf der Grundlage der bislang vorliegenden Informationen noch keine Bewertung des tragischen Falls vornehmen, erklärte Scheele am Freitag bei einer Sondersitzung des Familien-, Kinder- und Jugendausschusses der Bürgerschaft.

Der Zeitraum von wenigen Tagen sei zu kurz, um den Sachverhalt aufzuklären. Zudem könne in öffentlicher Sitzung mit Rücksicht auf den Sozialdatenschutz nicht auf Details eingegangen werden. „Das ist eine Gratwanderung; wir sind in einer schwierigen und sehr unangenehmen Situation“, sagte der Senator.

Die Abgeordneten der Oppositionsfraktionen CDU, Grüne, Linke und FDP äußerten einerseits Verständnis für die rechtliche Lage. Andererseits kritisierten sie eine ihrer Meinung nach zu restriktive Auslegung des Sozialdatenschutzes durch die Vertreter des Senats. „Schon wieder ist ein Kind unter den Augen des Jugendamtes gestorben“, sagte die Abgeordnete Christiane Blömeke von den Grünen.

Scheele verwahrte sich gegen diese Sichtweise und erklärte, die Umstände des Todes und die Entscheidungsprozesse und Handlungen der verschiedenen Behörden müssten zunächst aufgeklärt werden. „Hier wird nichts unter den Teppich gekehrt“, versicherte der Senator.

Der Fall wird nun zunächst von der Jugendhilfeinspektion untersucht. Mit Blick auf die Weihnachtstage, an denen viele wichtige Ansprechpartner nicht erreichbar seien, könnten Ergebnisse erst im nächsten Monat erwartet werden.

Yagmur war seit ihrer Geburt von verschiedenen Jugendämtern betreut worden. Sie lebte lange bei einer Pflegemutter, die Eltern hatten aber Sorge- und Besuchsrecht. Im August dieses Jahres durfte das Mädchen wieder zu seinen leiblichen Eltern ziehen – obwohl es den Verdacht gab, dass es bei einem Besuch Anfang 2013 zu einer schweren Kopfverletzung gekommen war. Das Kind soll auch in der Vergangenheit immer wieder Verletzungen erlitten haben, deren Ursache nicht genau geklärt werden konnte. Eine unabhängige Jugendhilfeinspektion soll nun die Arbeit der Jugendämter überprüfen.

Erst im Oktober hatte der Sonderausschuss Chantal seine Arbeit beendet. Das elfjährige Mädchen lebte in Hamburg-Wilhelmsburg bei drogensüchtigen Pflegeeltern und war vor knapp zwei Jahren an einer Überdosis Methadon gestorben. Dem Jugendamt des Bezirks Mitte wurden damals zahlreiche Fehler vorgeworfen. Die Sozialbehörde versuchte, die Abläufe und Übergaben in allen Hamburger Jugendämtern zu verbessern. Zudem wurde die Jugendhilfeinspektion gegründet. Das Bezirksamt Mitte und das dortige Jugendamt bekamen eine neue Leitung.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen