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Urteil in Hamburg : Tote Yagmur: Lebenslange Haft für Mutter

vom

Die 27-Jährige hat ihre kleine Tochter ermordet. Davon ist das Hamburger Landgericht überzeugt. Auch der Vater muss ins Gefängnis.

Hamburg | Das Hamburger Landgericht hat die Mutter der zu Tode misshandelten kleinen Yagmur am Dienstag wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Das Landgericht stellte nicht die besondere Schwere der Schuld fest, die die Staatsanwaltschaft gefordert hatte. Damit kann die 27-Jährige auf eine vorzeitige Entlassung nach 15 Jahren hoffen. Den Vater der Dreijährigen sprach das Landgericht wegen Körperverletzung mit Todesfolge durch Unterlassen schuldig. Er soll für vier Jahre und sechs Monate ins Gefängnis.

Das dreijährige Mädchen starb am 18. Dezember vergangenen Jahres in Hamburg-Billstedt in der Wohnung ihrer Eltern – an schweren inneren Blutungen. Ihre Leber war gerissen. Bei der Obduktion entdeckten die Ermittler Schminke an Yagmurs Leiche. Ihre Mutter habe damit die Spuren der Schläge verdecken wollen, so die Überzeugung der Ermittler. „Dieses Kind hat immer wieder erhebliche Schmerzen davongetragen und sehr, sehr gelitten“, berichtete Rechtsmediziner Klaus Püschel Anfang Juli vor dem Gericht. Zum Schluss sei die Dreijährige „einfach zusammengebrochen“.

Das Verfahren sei für das Gericht stärker als andere Prozesse bedrückend und belastend gewesen, sagte der Vorsitzende Richter Joachim Bülter. „Dies vor allem angesichts des Ausmaßes, in dem Yagmur gelitten hat.“ Er ging auch auf einen Bericht der Jugendhilfe ein, in dem zahlreiche Fehlentscheidungen und Nachlässigkeiten der Behörden aufgelistet sind. Die Summe der Unzulänglichkeiten hätten dazu geführt, dass die kleine Yagmur nur drei Jahre und zwei Monate alt geworden sei. Das sei beschämend.

Bereits im Januar 2013 war Yagmur wegen einer lebensgefährlichen Schädelverletzung im Krankenhaus behandelt worden. Ein Rechtsmediziner erstattete Strafanzeige wegen des Verdachts auf Kindesmisshandlung. Weil sich die Pflegemutter selbst bezichtigte, kam Yagmur gut vier Monate vor ihrem Tod wieder in die Obhut ihrer leiblichen Eltern. Im November 2013 hatte die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen eingestellt, weil nicht geklärt werden konnte, wer der Täter ist.

Der Fall sorgte in ganz Deutschland für Entsetzen. Nicht nur wegen des grausamen Todes, sondern auch weil die zuständigen Jugendämter die Gefahr für Yagmur übersahen. Neben dem Prozess gegen die Eltern klärt ein Parlamentarischer Untersuchungsausschuss der Hamburger Bürgerschaft die Frage, wieso das Kind überhaupt wieder in die Obhut der Eltern kommen konnte – trotz Hinweisen auf Misshandlungen. Drei Jugendämter waren für die Betreuung des Kindes seit dessen Geburt zuständig.  

Eine Mutter, die ihr Kind so abgrundtief hasst, dass sie es schließlich zu Tode prügelt: So erklärte sich die Hamburger Staatsanwaltschaft Yagmurs Tod. Sie hatte eine lebenslange Gefängnisstrafe für Mutter Melek Y. gefordert - wegen „Mordes aus Grausamkeit“. Für Yagmurs Vater hatte die Anklage auf sechs Jahre Haft wegen Körperverletzung mit Todesfolge durch Unterlassen plädiert.

Die Verteidigerin der Mutter hatte um eine „milde Strafe“ gebeten, die sie ins Ermessen des Gerichts stellte. Nicht Melek, sondern Hüseyin Y. habe Yagmur misshandelt. Ihre Mandantin habe dagegen allerdings zu wenig unternommen. Der Verteidiger des Vaters hatte auf eine Bewährungsstrafe für seinen Mandanten plädiert. Die Gewaltausbrüche der Mutter gegenüber Yagmur habe dieser nicht bemerkt. „Der Vater ist durch den Tod seines Kindes ausreichend bestraft.“

Der Prozess begann Mitte Juni. Die beiden Angeklagten schwiegen vor Gericht. Nur vergangene Woche, nachdem die Plädoyers verlesen wurden, äußerte sich der Vater erstmals. Unter Tränen sagte Hüseyin Y., er habe seiner Tochter nie Gewalt zugefügt: „Ich habe Yagmur geliebt.“ Weiter sagte er: „Ich hätte für meine Tochter da sein sollen.“ Die Mutter verzichtete auf ihr letztes Wort.

Oft ging es sehr emotional zu im Zeugenstand. Es wurde geweint und gepöbelt. Belastet wurde vor allem Yagmurs Mutter. Zwei Freundinnen beschrieben die 27-Jährige beispielsweise als hinterhältig und rabiat. Yagmurs Vater wurde von einem Zeugen als jemand beschrieben, der „keiner Fliege was tut“.

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erstellt am 25.Nov.2014 | 10:56 Uhr

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