zur Navigation springen

Fall Uwe Barschel : „Tote schweigen nicht“ - Spektakuläre Fälle eines Rechtsmediziners

vom

Der Hamburger Klaus Püschel gehört zu den erfahrensten Rechtsmedizinern Deutschlands. Im Fall Barschel hat er eine klare Meinung.

Hamburg | Nicht immer kann die Rechtsmedizin zur endgültigen Aufklärung von Kriminalfällen beitragen. Ob der Tod des früheren schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Uwe Barschel Selbstmord oder Mord war, ist bis heute umstritten. Der Hamburger Rechtsmediziner Klaus Püschel (64) ist ganz klar der Ansicht, dass sich Barschel 1987 in einem Genfer Hotelzimmer das Leben nahm.

Püschel war damals an der zweiten Untersuchung des Leichnams im Institut für Rechtsmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf beteiligt. Warum er glaubt, dass es ein Selbstmord war, begründet er in dem kürzlich erschienenen Buch „Tote schweigen nicht“, das er zusammen mit der Journalistin Bettina Mittelacher geschrieben hat. Die beiden Autoren wollen es am Dienstag im Institut für Rechtsmedizin vorstellen.

Püschel gehört mit bald 40 Berufsjahren zu den erfahrensten Rechtsmedizinern Deutschlands. Er hat zur Aufklärung zahlreicher Verbrechen beigetragen. Mittelacher beschreibt eine Reihe von Kriminalfällen, die in den vergangenen Jahren Deutschland beschäftigt und erschüttert haben: den Hamburger Säurefassmörder, den Auftragskiller Werner „Mucki“ Pinzner oder das kleine Mädchen Yagmur, das von seiner Mutter zu Tode gequält wurde. Püschel erklärt in eigenen Textpassagen, worauf es bei seiner Arbeit ankam. Doch der Rechtsmediziner untersucht nicht nur Tote: Auch in dem mit Freispruch geendeten Vergewaltigungsprozess gegen den Wettermoderator Jörg Kachelmann war er als Gutachter tätig. Er war und ist überzeugt: Die Verletzungen des vermeintlichen Opfers passten nicht zu einer angeblichen Vergewaltigung.

Mit der ihm eigenen Akribie konnte Püschel auch vor langer Zeit gestorbene Menschen identifizieren. Einem Italiener gab er Gewissheit, dass dessen im Krieg getöteter Vater auf dem Ohlsdorfer Friedhof lag. Die Gebeine wurden nach einer Trauerfeier in der Heimat bestattet, die Familie fand ihren Frieden. Ganz besonderes Interesse entwickelte Püschel an zwei Schädeln, die im 19. Jahrhundert nahe der mittelalterlichen Hamburger Hinrichtungsstätte Grasbrook gefunden wurden. Der Rechtsmediziner kam zu dem Ergebnis: Die im Museum für Hamburgische Geschichte aufbewahrten Schädel sind die von Klaus Störtebeker und einem weiteren Piraten.

zur Startseite

von
erstellt am 06.Feb.2017 | 08:42 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen