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Prozess in Hamburg : Tödliche Schüsse auf Radfahrer: 34-Jähriger gesteht Tat

vom

Der Mann lauerte seinem früheren Schwager auf und schoss zehn Mal auf ihn. Der 28-Jährige starb im Krankenhaus.

shz.de von
erstellt am 06.Dez.2016 | 15:23 Uhr

Hamburg | Mit einem Geständnis des Angeklagten hat am Dienstag der Prozess um die tödlichen Schüsse auf einen 28-jährigen Radfahrer in Hamburg-Neuallermöhe begonnen. „Ich gestehe die Tötung (...), und ich möchte sagen, dass es mir sehr leid tut“, sagte der 34-Jährige vor dem Landgericht. Als Motiv nannte er wiederholte Drohungen und Gewalttätigkeiten des 28-Jährigen. „Ich wollte meine Familie beschützen“, erklärte er.

Der Angeklagte soll nach Darstellung der Staatsanwaltschaft am 5. Juni seinem früheren Schwager hinter einem Gebüsch aufgelauert und zehn Schüsse auf den völlig arglosen Radfahrer abgegeben haben. Der 28-Jährige starb wenig später im Krankenhaus. Die Anklage lautet auf Mord und Verstoß gegen das Waffengesetz.

Am Tattag, einem frühsommerlichen Sonntag, hatte der Angeklagte nach eigenen Angaben seine Eltern in Neuallermöhe zum gemeinsamen Grillen besucht. Dort traf er seine Schwester und deren Tochter. Das Kind habe ihm erzählt: „Ich habe Angst vor Papa. Freitag hat er Mama geschlagen.“ Er sei danach „irgendwie sauer“ gewesen, sagte der 34 Jahre alte gelernte Maschinenbauer. Sein Schwager habe seine Schwester auch nach der Scheidung immer wieder belästigt und gestalkt. Es habe Streit um das Kind gegeben.

Der Schwager habe nach einer früheren Auseinandersetzung gedroht, ihn und seine Familie umzubringen. „Er hat oft meine Schwester bedroht und gesagt, er schlachtet sie in der Badewanne.“ Zudem habe der 28-Jährige viel Geld für Drogen ausgegeben, aber kein Geld für das Essen des Kindes gehabt. Er selbst habe bis vor fünf oder sechs auch Drogen konsumiert, auch mal zusammen mit seinem Schwager, räumte der Angeklagte ein.

An jenem Nachmittag habe er den Schwager zur Rede stellen wollen. Seine Pistole habe er „zum Selbstschutz“ mitgenommen. Sein Schwager habe auch eine Waffe besessen. Zufällig habe er den 28-Jährigen getroffen, als dieser mit einem Freund aus dem Wald von einem nahe gelegenen Badesee kam. Er habe ihn angesprochen. Der Schwager habe aber zunächst Geld für Drogen aus seiner Wohnung holen wollen. Er habe auf ihn gewartet, sich aber nicht im Gebüsch versteckt. Ob der Angeklagte ihm Rauschgift verkaufen wollte, blieb in der Befragung durch das Gericht offen.

Als er zurückkam, hätten sie erneut geredet und seien in Streit geraten. Eine Drohung mit der Pistole habe der 28-Jährige nicht ernst genommen und die Waffe für eine Gaspistole gehalten. Er sei auf sein Fahrrad gestiegen und lachend losgefahren. „Da ist bei mir eine Sicherung durchgebrannt“, sagte der Angeklagte. Er habe einen ersten Schuss abgegeben und den Schwager links an der Hüfte getroffen. Der 28-Jährige, bekleidet nur mit Shorts und einem Käppi, habe angefangen zu torkeln. „Ich dachte, er zieht ein Messer oder so, da habe ich mehrere Schüsse abgegeben.“

Während der Aussage flossen bei den Nebenklägern - Mutter, Bruder und Schwester des Opfers - sowie bei Angehörigen im Zuschauerraum die Tränen. Die Mutter schüttelte mehrfach ungläubig den Kopf.

Am Abend nach der Tat sei er das erste Mal von der Polizei kontrolliert und wenig später festgenommen worden, sagte der 34-Jährige. Am Tag darauf ließen die Ermittler ihn wieder frei, weil sich der dringende Tatverdacht zunächst nicht bestätigt hatte. Drei Tage später ergriff ihn das Mobile Einsatzkommando erneut. Er sei da gerade auf dem Weg zu seinem Anwalt gewesen, um sich zu stellen, sagte der Angeklagte.

Das Gericht hat weitere elf Verhandlungstermine bis zum 2. März 2017 angesetzt.

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