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Hamburg-Bergedorf : Tödliche Messerattacke – Angeklagter schweigt

vom

Er soll einen Jugendlichen niedergestochen haben. Der Anlass für den Streit: „Provozierendes Anstarren“, sagt ein Zeuge.

shz.de von
erstellt am 09.Sep.2014 | 12:41 Uhr

Hamburg | Beim Auftakt eines Prozesses um eine tödliche Messer-Attacke auf einen Jugendlichen in Hamburg-Bergedorf hat der Angeklagte zu den Vorwürfen geschwiegen. Der 25-Jährige werde sich zurzeit nicht äußern, sagte einer seiner beiden Verteidiger am Dienstag vor dem Hamburger Landgericht. „Er wird sich mit Sicherheit zu einem späteren Zeitpunkt zur Sache einlassen.“ Wann er aussagen könnte, blieb unklar.

Der Mann soll im März einen 18-Jährigen nach einem Streit aus nichtigem Anlass niedergestochen haben. Als ein heute 17-Jähriger dem Opfer helfen wollte, soll er auch ihn mit einem Messerstich in den Brustkorb schwer verletzt haben. Der Angeklagte - graues Hemd, Jeans, die Haare zurückgegelt - steht wegen Totschlags und gefährlicher Körperverletzung vor Gericht. Die Schwester des Opfers und der 17-Jährige treten als Nebenkläger auf. Der Auftakt des Verfahrens fand unter großem Zuschauerinteresse und hohen Sicherheitsvorkehrungen statt.

In der Nacht zum 9. März war es laut Anklage in der Nähe einer Bushaltestelle zu einem Streit und einer Schlägerei zwischen dem 25-Jährigen und einer Gruppe Jugendlicher gekommen. Ein Teil der Jugendlichen soll ihm dann zur nahe gelegenen Wohnung seiner Freundin gefolgt sein. An einem Fenster der Erdgeschoss-Wohnung sollen sie sich gegenseitig angeschrien, beschimpft und beleidigt haben.Als der 25-Jährige der Anklage zufolge aufgefordert wurde, die Sache vor der Tür zu klären, soll er mit einem Messer bewaffnet aus dem Haus gestürmt sein. Er habe dem 18-Jährigen mehrere Messerstiche versetzt, sagte der Vertreter der Staatsanwaltschaft. Den 17-Jährigen, der ihm zu Hilfe eilen wollte, soll er ebenfalls mit dem Messer angegriffen haben. Erst als der Angeklagte von einem weiteren Jugendlichen festgehalten und auf den Hinterkopf geschlagen wurde, ließ er demnach von dem Opfer ab und floh. Der 18-Jährige starb rund eine Stunde nach der Tat im Krankenhaus an einem Herzdurchstich.

Im März hatte der Verteidiger des 25-Jährigen nach eigenen Angaben vor dem Haftrichter erklärt, sein Mandant sei „täglichen Angriffen durch eine Personengruppe“ ausgesetzt gewesen. Er sei von Schlägen und Tritten an Kopf und Rücken verletzt worden. Weitere Einzelheiten nannte der Rechtsanwalt nicht.

Der 17-Jährige erklärte als Zeuge vor Gericht, vor der Messer-Attacke habe der Angeklagte von dem Fenster auf der anderen Straßenseite aus „richtig provozierend in unsere Richtung“ geguckt: „Der Täter hat uns voll provozierend die ganze Zeit angestarrt.“ Einer von ihnen habe den Mann dann gefragt: „Was hast Du für ein Problem, was guckst Du so?“ Er habe aber nicht damit gerechnet, dass der 25-Jährige aus dem Haus kommt - schließlich hätten sie zu sechst an der Bushaltestelle gestanden. „Welcher normale Mensch kommt runter und lässt sich auf sechs Leute ein? Das ist doch nicht normal.“ 

Der Zeuge hatte bei zwei Polizei-Vernehmungen innerhalb von gut vier Wochen zwei unterschiedliche Versionen erzählt. Die Widersprüche erklärte er vor Gericht damit, dass er bei der ersten Vernehmung gerade erst vom Tod seines langjährigen Freundes erfahren habe: „Ich hatte keinen Kopf dafür, ich war im Schockzustand.“ Auch seinen Eltern, die ihn im Krankenhaus besuchten, habe er nicht erzählt, was genau passiert sei. In seiner mehrstündigen Aussage gerieten er und die Verteidigung mehrmals aneinander. Der 17-Jährige fragte die beiden Anwälte etwa: „Wie können Sie solch einen Typen verteidigen?“ 

Der Prozess soll am 19. September weitergehen. Für das Verfahren sind weitere 13 Verhandlungstage geplant, ein Urteil wird Ende November erwartet.

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