Nächster Versuch in Hamburg : „Thor Steinar“ eröffnet Geschäft in Barmbek

„Nordic Company“ – was wie ein Ausstatter für Segelfreunde klingt, beherbergt umstrittene Thor-Steinar-Klamotten.

„Nordic Company“ – was wie ein Ausstatter für Segelfreunde klingt, beherbergt umstrittene Thor-Steinar-Klamotten.

Als „Nordic Company“ getarnt, versucht das Label mit der Nähe zur Neonazi-Szene im Multikulti-Stadtteil Fuß zu fassen.

shz.de von
08. März 2017, 06:32 Uhr

Hamburg | Ausgerechnet im Hamburger Multikulti-Stadtteil Barmbek Nord: An der Fuhlsbüttler Straße hat am vergangenen Freitag ein Geschäft für Bekleidung der umstrittenen Modemarke Thor Steinar eröffnet, die sich im rechten Spektrum einiger Beliebtheit erfreut. Wegen der Nähe des Labels zur Neonazi-Szene ist das Tragen von Thor Steinar-Bekleidung im Bundestag, in mehreren Landtagen und Fußballstadien verboten.

Am Sonnabend erschienen in Barmbek gut drei Dutzend Personen aus der linken Szene zum Protest. Einige von ihnen waren als Rechtsextreme verkleidet, um ins Innere zu gelangen, blieben aber erfolglos. Die Betreiber hatten einen Sicherheitsdienst engagiert, der nach Kontrollen nur genehme Kunden einließ. 

Die Schaufenster an der Fuhlsbüttler Straße sind blickdicht mit Plakaten verklebt. Deren Bildmotive von Segelschiffen lassen auf den ersten Blick einen Ausstatter für Maritimes vermuten, ebenso der Name „Nordic Company“. Im Internet bekennt sich Thor Steinar allerdings offen zum tatsächlichen Zweck der Verkaufsstelle. „Wir halten weiter Kurs“, schrieben sie zur Eröffnung und appellierten an ihre Anhänger: „Bleibt friedlich.“

Am Sonnabend blieb es tatsächlich ruhig, vor allem weil etwa 30 Polizisten die Proteste begleiteten. Allerdings gilt es als wahrscheinlich, dass Hamburgs Linke erst dann ruhen werden, wenn sie auch dieses Steinar-Geschäft zur Aufgabe gezwungen haben werden. Trotz mehrerer Anläufe ist es den Betreibern der Modemarke bisher nicht gelungen, sich im Großraum der Metropole zu etablieren. 2008 mussten sie ihr erstes Geschäft in der City nach nur vier Wochen wieder schließen. Vermieter der Räume war seinerzeit die staatliche HSH Nordbank, die vom wahren Hintergrund des Mieters erst im Nachhinein erfuhr; der Vertrag wurde aufgelöst. In Norderstedt (Kreis Segeberg) und Glinde (Kreis Stormarn) waren jüngst ähnliche Projekte am Widerstand von Bürgern gescheitert

Wegen befürchteter Anschläge wird der neue Hamburger Laden von der Polizei intensiv beobachtet. In einer Nebenstraße hatte am Dienstag ein Streifenwagen Stellung bezogen, deren Besatzung das Geschäft nicht aus den Augen ließ; zu Zwischenfällen kam es nicht. Die Behörden nehmen anonyme Drohungen gegen die Betreiber ernst. Im Internet rufen radikale Anti-Faschisten offen zu Gewalt auf. Ein User schrieb auf Twitter: „Den Laden fackeln wir auch noch ab.“

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen