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Vorstandsvorsitzender der HSH Nordbank : Thomas Mirow: „Die Bank steht jetzt im Schaufenster“

vom

Die 2000 Beschäftigten in Hamburg Kiel sollen eine Perspektive haben, sagt Mirow. Die Bank solle daher auch nach einem Verkauf im Ganzen erhalten bleiben.

shz.de von
erstellt am 14.Jan.2016 | 17:17 Uhr

Hamburg | Der Aufsichtsratsvorsitzende der HSH Nordbank sieht gute Aussichten für den Verkauf einer von Altlasten befreiten Restbank. „Die HSH ist eine marktfähige, funktionierende Bank und ein interessantes Unternehmen, wenn sie von Altlasten befreit ist“, sagte Thomas Mirow am Donnerstag vor Journalisten. Ungewohnt scharf reagierte der Chef des Kontrollgremiums auf kritische Äußerungen von Politikern zum gerade geschnürten Rettungspaket für die Landesbank von Hamburg und Schleswig-Holstein. Wer von seinem Eigentum sage, das sei „Dreck“, so Mirow, müsse wissen, dass er damit die Chancen im beginnenden Verkaufsprozess erheblich schädige - und damit das Eigentum der Bürger. Ohne ihn beim Namen zu nennen, kritisierte Mirow in diesem Zusammenhang die Klage des früheren Kieler Wirtschaftsministers Werner Marnette gegen das Rettungsmodell.

Viele Jahrzehnte lang waren die HSH Nordbank und ihre beiden Vorgängerbanken eine zuverlässige Geldquelle für die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein. Seit der Finanzkrise bereitet die Bank den Ländern nur noch Sorgen. Vor allem die Schifffahrtskrise hat die Bank in die Krise gestürzt.

Die Landesparlamente in Hamburg und Kiel hatten Ende 2015 entschieden, dem schwer angeschlagenen Geldhaus notleidende Schiffspapiere im Wert von 6,2 Milliarden Euro abzunehmen. Die Restbank mit ihren drei profitablen Geschäftssegmenten soll bis 2018 verkauft werden. Die Hoffnung auf einen nennenswerten Erlös aus dieser Transaktion ist ein wesentliches Argument der Länder für den Verzicht auf eine sofortige Abwicklung ihres dauerkriselnden Sorgenkindes. Der Verkaufsprozess habe de facto schon begonnen: „Die Bank steht jetzt im Schaufenster.“ Wer 2018 ein Interesse an einer Übernehme haben könnte und welcher Preis womöglich zu erwarten sei, mochte Mirow nicht einschätzen.

Entschieden verwies der ehemalige Wirtschaftssenator auf das stabile und profitable Neugeschäft der HSH mit Immobilien, Unternehmenskunden und Schifffahrt. Der Vorstand habe in den vergangenen Jahren erhebliche Erfolge dabei erzielt, jenen „Riesenschlamassel“ zu beseitigen, den die Länder und die Bankmanager zwischen 2005 und 2009 angerichtet hätten. Es sei der Verdienst der aktuellen Vorstandes, dass sich Nordbank inzwischen wieder „durch und durch gut aufgestellt“ zeige. Das Risiko für die öffentlichen Haushalte aus der Bank sei deutlich geringer geworden. Der seit drei Jahren amtierende Aufsichtsratsvorsitzende verwies auf beträchtlich gesunkene Volumina bei der Gewährträgerhaftung und beim Risiko-Portfolio.

Die Auslagerung fauler Schiffskredite für 6,2 Milliarden Euro auf die Länder bedeute de facto lediglich eine bilanzielle Änderung, so Mirow. Für die Verluste aus diesen Geschäften hätten Hamburg und Schleswig-Holstein als Bankeigner ohnehin aufkommen müssen. Er bestätigte allerdings indirekt, dass es sich bei den zu übertragenden Assets um besonders minderwertige Papiere aus dem Schifffahrtsportfolio handeln werde. Welchen Verlust die Steuerzahler am Ende daraus werden schultern müssen, lasse sich heute allerdings nicht sagen. Niemand könne sagen, zu welchem Preis sich die faulen Kredite später vielleicht noch an den Mann bringen ließen.

Mirow sprach sich dafür aus, die HSH im Ganzen zu verkaufen und nach einer Privatisierung „als Einheit“ zu erhalten. Das nicht zuletzt mit Blick auf die Belegschaft. „Ich möchte auch dafür sorgen, dass es für die noch gut 2000 Beschäftigten in Hamburg und Kiel eine Perspektive gibt.“

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