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„Die Elbvertiefung verschärft das Schlick-Problem“ : Thomas Behrends vom „Aktionsbündnis Lebendige Tideelbe“ im Interview

vom
Aus der Redaktion des Pinneberger Tageblatts

Im „Aktionsbündnis Lebendige Tideelbe“ haben sich 201 Umweltverbände wie Nabu, BUNDund WWF zusammengeschlossen, um verbandsübergreifend gegen die erneute Elbvertiefung zu klagen.

shz.de von
erstellt am 09.Feb.2017 | 08:49 Uhr

Hamburg | Herr Behrends, welche Folgen fürchten Sie für den Fall, dass die Elbe erneut vertieft werden darf?
Thomas Behrends: Es würden 38 Millionen Kubikmeter Schlick ausgebaggert werden. Dadurch verändert sich die Strömungsgeschwindigkeit erheblich. Das bedroht die Lebensräume von Tieren und Pflanzen an den Elbufern. Das Elbewasser würde bei Flut deutlich höher und mit mehr Wucht auf die Flussränder prallen und das zweimal am Tag und 705mal im Jahr − so häufig wie Ebbe und Flut wechseln. Die Elbe entwickelt unglaublich starke Kräfte. 

In der Medemrinne soll  der ausgebaggerte Schlick verfüllt und so die Wucht der Strömung gemildert werden. Würde das helfen?
Das, was dort gebaut werden soll, greift viel zu kurz. Wir haben schon vor zwei Jahren dargelegt, dass diese Maßnahme nichts ändern wird. Der Vorhabenträger hat die Situation für einen Zeitraum von 14 Tagen simuliert. Das hat mit der realen Belastung nichts zu tun. 

Was würde denn etwas verändern?
Wenn wir der Elbe wieder mehr Raum geben, damit sich die Strömung verlangsamt. Das jetzt gegründete Elbeforum mit Mitgliedern aus mehreren Bundesländern ist ein guter Anfang. Aber die Elbe zu renaturieren, braucht viel Zeit.

Was entgegnen Sie Befürwortern der Elbvertiefung, die  Arbeitsplätze und Wirtschaftskraft des Hamburger Hafens im Blick haben?
Dass die Elbvertiefung das Problem nicht lösen wird. Im Gegenteil: Die Elbvertiefung verschärft das Problem noch. Die veränderte Tide und höhere Strömungsgeschwindigkeit  drückt den Schlick förmlich wie eine Pumpe nach oben. So kommt der Schlick noch schneller in den Hafen. Und jedes Jahr kostet  es weitere Millionen von Euro, den Hafen auszubaggern und den Schlick in die Nordsee zu bringen.

Was denken Sie, wie das Bundesverwaltungsgericht entscheiden wird?
Das kann man nicht vorhersehen.

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