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„Sophia, der Tod und ich“ : Thees Uhlmann: Roadtrip-Roman über den Tod und die Ex

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Normalerweise packt Thees Uhlmann seine Anekdoten und Beobachtungen in Lieder – jetzt erscheint ein Roadtrip-Roman des Hamburgers.

Hamburg | Gevatter Tod sieht ungefähr aus wie eine Mischung aus Brad Pitt, Hape Kerkeling und einem unterklassigen Fußballspieler. So zumindest beschreibt es Hamburgs Vorzeige-Indie-Sänger Thees Uhlmann in seinem flotten Debütroman „Sophia, der Tod und ich“. Dieser Männer-Dreiklang sei „das Schönste, was ich jemals über mein Aussehen gehört hatte“, heißt es im Buch.

Uhlmann, der erst als Frontmann der Indie-Band Tomte und zuletzt als Solo-Musiker Bekanntheit erlangte, muss schmunzeln, als ihm im Interview diese Textstelle vorgelesen wird. Kleine Fältchen legen sich dann um seine blauen Augen, aber kein Stirnrunzeln. Der 41-Jährige lässt sich nicht in die Karten schauen, ob ihm der Pitt-Kerkeling-Fußballer-Vergleich auch selbst schon einmal angedichtet wurde. Möglich wäre es.

Zwölf Jahre stand ein Roman des Sängers bereits auf dem Plan. Solange habe sich sein Verlag um das Debüt bemüht, sagt Uhlmann. Jetzt kommt „Sophia, der Tod und ich“ in die Buchläden. Der Autor ist so stolz darauf, dass er in Gütersloh, wo der Roman gedruckt wird, sehen will, wie die Exemplare aus der Druckerpresse laufen. „Autor zu sein, ist in vielerlei Hinsicht doller, als Musiker zu sein“, sagt er.

Am Buch hat Uhlmann im Zug oder in der heimischen Küche gearbeitet. Manchmal so exzessiv, dass er bis zu einem Dutzend Seiten am Tag geschafft hat. „Remmidemmi im Kopf“, sagt er, „von den tiefsten Tiefen zu den höchsten Höhen, als wäre man auf der Borderline nachts um halb eins.“ Anfangs hat er nicht gewusst, wohin sich der Roman entwickelt. „Ich habe das ganze Buch beim Schreiben geschrieben.“ Und das merkt man: „Sophia, der Tod und ich“ ist ein linearer Roadtrip, der vor der Wohnung des namenlosen Ich-Erzählers seinen Anfang nimmt. „Es klingelte an der Tür, und im Treppenhaus roch es nach frisch gebrühtem Kaffee“, beginnt der Text. Mit dem Satz hat Uhlmann einem Freund ein Denkmal gesetzt. Der habe nämlich einst gemeint, so der Autor, er würde genau diesen Anfang wählen, sollte er einmal einen Roman schreiben. Uhlmannsches Seemannsgarn? Wer weiß. Er hat viele solcher persönlichen Anekdoten zu seinem Buch parat.

Es riecht also nach frisch gebrühtem Kaffee im Roman, als der Tod vor der Tür steht – um den Erzähler abzuholen. Der letzte Wunsch: Noch einmal den Sohn sehen, der bei dessen Mutter lebt. So springt der Protagonist dem Sensenmann vorerst von der Schippe. Alsbald platzt zu allem Überfluss Ex-Freundin Sophia in die morbide Zweisamkeit – und die Handlungs-Achterbahn kommt richtig in Fahrt. Jetzt werden die Bälle zwischen den Figuren nur so hin und her geworfen. Wunderbar etwa, als die drei in Johnnys Bar („Nicht Dschonnie. J wie Jaguar.“) versacken und sich die Gesprächsfetzen bald wie Bindfäden über die Buchseiten ziehen („Dubissechtdertododerwas? Dasisssosuper!“).

Neben dem namenlosen Protagonisten haben auch die Orte keine Bezeichnung. „Nur Norden und Süden“, sagt Uhlmann. Die Handlung könnte überall spielen. Kein Internet, Handys. Keine Musik und Markennamen. „Sophia, der Tod und ich“ ist ein Anti-Poproman. Fußball, klar, der muss sein, Uhlmann ist eingefleischter Pauli-Fan. Doch im Buch wird kein Verein genannt. „Es ist erstmal großartig, dass Fußball ist“, heißt es da, „der Rest kommt später.“ Uhlmann legt das Augenmerk auf seine liebenswert überdrehten Charaktere, die oft einfach losmachen, ohne zu überlegen. Als später noch die Mutter des Erzählers hinzustößt, die nicht so richtig wegstecken konnte, dass sich ihr Sohn von Sophia getrennt hatte, ist das Reise-Quartett komplett. Ein Blatt vor den Mund nimmt hier keiner. Der Autor greift bei seinen Figuren ins pralle Leben.

So viel Realitäts-Fiktions-Brummkreisel wirft die Frage auf: Wie viel Uhlmann steckt nun eigentlich im 42-jährigen Ich-Erzähler? Der Autor lacht. Natürlich seien Szenen aus seinem Leben gegriffen. Aber das liege einfach daran, dass jeder Satz durch seinen Kopf gegangen sei.

Wenn er so redet, merkt man: Uhlmann ist ein geborener Erzähler, der mit Leichtigkeit Geschichten herzaubert und schmunzelnd hinwirft. Ganz so, wie es Sophia im Buch formuliert: „Ein Mund, der ist zum Reden da, ein Schlitz von Gott so wunderbar.“

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erstellt am 21.Okt.2015 | 15:05 Uhr

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