Luxushotel in Hamburg : „The Fontenay“: Ein Besuch auf der Baustelle von Klaus-Michael Kühne

Blick auf die Außenaltster: Im neuen Luxushotel The Fontenay genießen Gäste eine tolle Aussicht.
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Blick auf die Außenaltster: Im neuen Luxushotel The Fontenay genießen Gäste eine tolle Aussicht.

Die Vorbereitungen für die Eröffnung im Frühjahr laufen auf Hochtouren – nur ein Termin fehlt weiterhin.

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26. Januar 2018, 19:22 Uhr

Hamburg | In der Wäschekammer im Untergeschoss des neuen Luxushotels herrscht großes Gewusel. Kartons stapeln sich vor den modernen Bügelstationen und den Waschmaschinen, während im vorderen Bereich, wie in einer Reinigung, die Kleidungsstücke auf einer riesigen, mobilen Kleiderstange auf und ab fahren. In den vergangenen Tagen wurden die Uniformen für rund 180 Mitarbeiter angeliefert. An die tausend Kleidungsstücke werden diese Tage anprobiert und müssen angepasst werden.

Multimilliardär Klaus-Michael Kühne will Deutschlands bestes Hotel bauen. Eigentlich sollte es schon im Sommer 2016 eröffnet worden sein, doch Wasserschäden hatten die Fertigstellung verzögert.

Bei der Anprobe der Haus-Uniformen: In der Wäschekammer wird Viola Hornstein das Kleid abgesteckt. Der Schneider, Tahsin Genc (blaue Weste) ist auch dabei.
Foto: Daniel Chatard

Bei der Anprobe der Haus-Uniformen: In der Wäschekammer wird Viola Hornstein das Kleid abgesteckt. Der Schneider, Tahsin Genc (blaue Weste) ist auch dabei.

Drei Tage lang ist auch Catherine Handon unterstützend vor Ort. Sie hat die Uniformen für das „The Fontenay“ entworfen. Das Modeunternehmen beliefert viele internationale Hotelketten und Unternehmen mit eigens kreierter Arbeitskleidung und Uniformen: Für das neue Luxushotel gibt es rund 30 verschiedene Teile vom Blazer bis zur Kochjacke. Sie alle sind im selben Look: zeitlos, klassisch und maritim, wie auch das Hotel.

Keins der 131 Zimmer und Suiten gleicht dem anderen

Die Baustelle vom Luxushotel „The Fontenay“, aufgenommen in Hamburg. /Archiv
Foto: Lukas Schulze
Die Baustelle vom Luxushotel „The Fontenay“, aufgenommen in Hamburg. /Archiv
 

Im August 2014 war Grundsteinlegung und damit Baustart für das The Fontenay des Milliardärs Klaus-Michael Kühne. Direkt am Ufer der Außenalster im Stadtteil Rotherbaum entstand auf dem ehemaligen Gebäude des Hotel Intercontinental in mittlerweile dreieinhalb Jahren Bauzeit ein Fünf-Sterne-Superior-Haus mit besonderem Aussehen. Das achtgeschossige Haus besteht aus drei Kreisen, die ineinander verschmelzen und zwei große Innenhöfe ergeben. Keine Wand steht zu einer anderen parallel, die Trennwände in den Zimmern laufen strahlförmig von innen nach außen, die Fassadenwand ist konkav oder konvex.

Der Kreis der Formgebung zieht sich auch als Muster durch das Gebäude. Geradlinig angelegte Wände, mit Ausnahme von Trennwänden, gibt es keine. Eine große Herausforderung, denn dadurch gleicht keins der 131 Zimmer und Suiten dem anderen, der Großteil des Interieurs sind Maßanfertigungen und wurden individuell angefertigt. 

Die Übernachtungspreise beginnen ab 350 Euro pro Zimmer pro Nacht. Überall ist der Standard hoch – vom Riesenflachbildschirm bis zur beheizbaren WC-Brille. Das „The Fontenay“ bestückt alle Zimmer mit einer eigens produzierten Betten- und Matratzenlinie und das helle Eichenholz stammt aus den Wäldern der Abtei Fontenay in Frankreich.

Das Atrium ist das Herzstück des neuen 5-Sterne-Hotels.
Foto: Daniel Chatard

Das Atrium ist das Herzstück des neuen 5-Sterne-Hotels.

 

Herzstück des Hotels ist das Atrium, ein 27 Meter hoher Raum, mit Lounge und Bar. Es soll später mal das Wohnzimmer sein, wo sich die Gäste treffen können, bequem sitzen, und von wo aus sie einmal durch alle Etagen nach oben blicken können. Wann später ist, weiß hier keiner so genau. Ursprünglich sollte das Luxushotel mal im Sommer 2016 eröffnet werden. Das wurde schnell unrealistisch, doch die angepeilten Eröffnungen im Herbst, und dann im Dezember scheiterten.

Jetzt halten sich die Verantwortlichen bedeckt. Im Frühjahr soll es nun soweit sein. Dann soll das Fünf-Sterne-Plus-Haus das beste Hotel in Deutschland und eines der besten in Europa werden, so will es zumindest Klaus-Michael Kühne. Noch herrscht Chaos und Trubel. Bis zu 300 Handwerker und Bauarbeiter werkeln auf allen acht Etagen. Die Böden sind weitestgehend mit Planen oder Teppich abgeklebt, doch fast überall lässt sich der Untergrund schon erahnen.

Wilkes Küche ist weltoffen, modern und regional

In der Hauptküche wird unterdessen schon gekocht. Seit November steht Küchenchef Stefan Wilke an den Töpfen oder richtet seine Küchen ein. Neben der Hauptküche gibt es im Kellerbereich mehrere Kühl-, und Lagerräume, sowie Vorbereitungsräume in denen geschnippelt wird, oder auch Fisch geschuppt wird – letzteres in einem extra angefertigten Bereich, den es so in keiner anderen Küche gibt.

Inspiriert wurde Wilke von seiner Zeit auf hoher See. Zehn Jahre lang bereiste der gebürtige Freudenstädter auf der MS Europa und MS Europa 2 als Küchenchef die Welt. Seit zwei Tagen wird fast rund um die Uhr gekocht. Mittlerweile ist die Maschinerie angelaufen und fast alle 26 Mitarbeiter instruiert. „Wir können alle kochen, jetzt geht es darum das Team perfekt einzuspielen, die neuen Geräte kennenzulernen und einwandfrei bedienen zu können.“

Küchenchef Stefan Wilke (weiße Kochjacke) entwickelt das Menü-Konzept des Fontenay.
Foto: Daniel Chatard

Küchenchef Stefan Wilke (weiße Kochjacke) entwickelt das Menü-Konzept des Fontenay.

Seit 2014 ist Stefan Wilke dabei das Konzept zu entwickeln. Fast alle Gerichte des Gartenrestaurants „John’s“ im Erdgeschoss hat er kreiert. Viele Ideen entstammen seiner Seefahrerzeit. Seine ersten Speisekarten für das „The Fontenay“ stammen noch aus dem Jahr 2015. Er hat sie immer weiterentwickelt. Stefan Wilkes Küche ist weltoffen, modern und regional.

„Wir sind ein Haus für Hamburg“, so Wilke. Viele Produkte kommen aus der Region: die Äpfel aus dem Alten Land, viele Fische aus der Nordsee. Neben der kulinarischen Gästebetreuung im John’s zu Frühstück, Lunch und Dinner, und dem Room Service, sind er und sein Team auch für die Verpflegung der Mitarbeiter zuständig. „Für die Mitarbeiter gelten die gleichen Ansprüche. Für uns ist jeder Mitarbeiter ein Gast“, so der gebürtige Schwarzwälder.

„Housekeeping heißt nicht nur Putzen“

Noch wird an allen Ecken gewerkelt. Doch die Zimmer sind schon eingeräumt. 131 luxuriöse Zimmer ab 43 Quadratmeter und Suiten ab 75 Quadratmeter gibt es auf fünf Etagen, einige mit Blick auf die Alster, alle mit privatem möbliertem Balkon. Im begehbaren Kleiderschrank hängen die Kleiderbügel und liegen die Kleidersäcke. Ausgesucht hat sie Thorsten Garbade. Vier Hoteleröffnungen hat der Director of Housekeeping schon begleitet. Seit 26 Jahren ist er im Housekeeping: mit Leib und Seele, war unter anderem im Four Seasons und im Adlon Kempinski in Berlin.

Als Chef des Housekeepings ist Thorsten Garbade für die Sauberkeit der Zimmer und aller öffentlicher Bereiche zuständig.
Foto: Daniel Chatard

Als Chef des Housekeepings ist Thorsten Garbade für die Sauberkeit der Zimmer und aller öffentlicher Bereiche zuständig.

Wie riecht die Seife, wie muss der Kragen der Uniform sitzen oder wie wird die Sitzecke angerichtet. „Housekeeping heißt nicht nur Putzen.“ Als Chef des Housekeppings ist der gebürtige Bremer zwar für die Sauberkeit der Zimmer und aller öffentlicher Bereiche zuständig, dazu zählt aber auch die Instandhaltung und Dekoration, sowie die Verwaltung und Instandhaltung der Hotelwäsche bis hin zu den Hoteluniformen, in allen organisatorischen und wirtschaftlichen Aspekten. Es gilt die Philosophie des Hoteldirektors Thies Sponholz umzusetzen.

„Wir sprechen eine Sprache. Der Hoteldirektor ist sehr detailverliebt“, so Garbade. Seit eineinhalb Jahren begleitet und gestaltet Thorsten Garbade das Hotel hin zur Eröffnung. „Der Feinschlief macht riesigen Spaß. Jedes Haus hat ein Bett, aber wir müssen mit einem perfekten Eindruck und unserem Service punkten.“

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