Zusammenschluss mit der arabischen Reederei : Teurer Treibstoff: Reederei Hapag-Lloyd macht weiter Verluste

Um die Kosten zu senken, soll die Digitalisierung des Geschäfts beschleunigt und Verträge mit Container-Terminals optimiert werden.

Um die Kosten zu senken, soll die Digitalisierung des Geschäfts beschleunigt und Verträge mit Container-Terminals optimiert werden.

Das Unternehmen hat mit den gestiegenen Treibstoffpreisen zu kämpfen. Der Verlust stieg von knapp 43 Millionen auf fast 101 Millionen Euro.

shz.de von
10. August 2018, 14:37 Uhr

Hamburg | Deutlich mehr Container transportiert, und trotzdem tiefer in die roten Zahlen gerutscht: Deutschlands größte Containerreederei Hapag-Lloyd blickt auf ein unerwartet schwieriges Halbjahr zurück. Von Januar bis Juni hat sich der Konzernverlust des Hamburger Unternehmers mehr als verdoppelt. Unter dem Strich stand ein Minus von 101 Millionen Euro, nach knapp 43 Millionen im ersten Halbjahr 2017. Mit ihren operativen Geschäften verdiente die Reederei dabei geringfügig weniger als im selben Vorjahreszeitraum, das EBIT erreichte 89 Millionen Euro, nach 91 Millionen.

Dabei war das Traditionsunternehmen nach der Fusion mit der arabischen Reederei UASC voller Optimismus ins Jahr gestartet. Allerdings vermieste Gegenwind aus verschiedenen Richtungen den Hanseaten den erhofften Aufschwung. So stiegen die Treibstoffkosten ebenso kräftig an wie die Preise für das Chartern von Conatinerschiffen. Zugleich gingen die Frachtraten – wichtigste Einnahmequelle für die maritimen Container-Transporteure – überraschend wieder zurück. All das geschehe in einem weiterhin sehr angespannten Wettbewerbssituation, wie Konzernchef Rolf Habben Jansen betonte. Schon im Juni hatte Hapag-Lloyd die Geschäftserwartungen für 2018 nach unten korrigieren müssen.

Digitalisierung des Geschäfts beschleunigen

Ohne die Kostensynergien aus dem Zusammenschluss mit der United Arab Shipping Company wären die Zahlen noch schlechter ausgefallen. Die Umsätze kletterten dank der Übernahme um 900 Millionen auf 5,4 Milliarden Euro, die Transportmenge sogar von 4,2 Millionen auf 5,8 Millionen Standardcontainer (TEU). Zugleich fiel die durchschnittliche Frachtrate aber auf 1020 US-Dollar je TEU, auch 1065 im ersten Halbjahr 2017.

Auf die enttäuschende Zwischenbilanz reagiert Hapag-Lloyd mit verstärkten Sparanstrengungen. Habben Jansen kündigte an, die Digitalisierung des Geschäfts zu beschleunigen, die Wirtschaftlichkeit der Schiffssysteme zu überprüfen und die Verträge mit Terminalbetreibern zu optimieren. Im Klartext: Die Reederei will Kosten drücken und schließt den Rückzug aus unrentablen Fahrtgebieten nicht aus.

Da Hapag-Lloyd zu rund einem Siebtel der Stadt Hamburg gehört, sind die Bilanzzahlen jedesmal auch ein Politikum. Die oppositionelle FDP hat Bürgermeister Peter Technischer (SPD) aufgefordert, den Ausstieg aus dem Unternehmen vorzubereiten. FDP-Fraktionschef Michael Kruse sagte: „Der rot-grüne Senat sollte dringend eine Strategie zum Verkauf seiner Anteile entwickeln, denn nach wie vor kostet Hapag-Lloyd den Steuerzahler jedes Jahr viele Millionen Euro.“

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