Mobile Geschwindigkeitsmessung : Test erfolgreich: Hamburg schafft Anhänger-Blitzer an

Während der vierwöchigen Testphase der mobilen Blitzer auf Anhängern, lösten zwei Testgeräte insgesamt über 28.000 aus.

Während der vierwöchigen Testphase der mobilen Blitzer auf Anhängern, lösten zwei Testgeräte insgesamt über 28.000 aus.

Viele Hamburger kennen die stationären Blitzer. Nun werden mobile Blitzer eingesetzt, um die Straßen sicherer zu machen.

shz.de von
03. August 2018, 17:16 Uhr

Hamburg | Die Hamburger Polizei soll nach dem erfolgreichen Test von auf Anhängern montierten Geschwindigkeitsmessgeräten weitere mobile Blitzer erhalten. Das geht aus einer Antwort des Senats auf eine schriftliche Kleine Anfrage der Regierungsfraktionen von SPD und Grünen hervor. Demnach werde nach Auswertung der Testphase nur noch über die Zahl der neuen Geräte und den Zeitpunkt ihrer Anschaffung entschieden. Mit den Blitzern sollen Geschwindigkeitsübertretungen eingedämmt werden, die nach wie vor eine der bedeutendsten Unfallursachen in der Stadt seien.

„Die Einhaltung des Tempolimits ist nicht optional“, sagte der Innenexperte der SPD-Fraktion, Sören Schumacher. „Sie ist vielmehr ein ganz bestimmender Faktor, wenn es um verkehrssichere Straßen in unserer Stadt geht.“ Deshalb sei es richtig, dass sich die Innenbehörde angesichts zunehmender Geschwindigkeitsverstöße mit der neuen Blitzer-Technologie auseinandersetze.

Mehr als 28.000 Blitzerfotos in vier Wochen

In der rund vierwöchigen Testphase waren die beiden unauffällig am Straßenrand platzierten Geräte laut Senat zusammen knapp 1800 Stunden an wechselnden Orten im Einsatz. Dabei hätten sie mehr als 28.000 Mal ausgelöst. „Bedenkt man, dass Blitzer in Hamburg erst ab einer Überschreitung von neun Stundenkilometern auslösen, ist es erschreckend, wie oft die neuen Anhänger in der Erprobungsphase geblitzt haben“, sagte der Verkehrsexperte der Grünen, Martin Bill.

4,4 Millionen Euro durch Verwarnungs- und Bußgelder

Wie oft die Messungen der Anhänger-Blitzer zu Anzeigen geführt haben, ist laut Senat aber noch nicht ausgewertet. Die bisher verwendeten 32 herkömmlichen mobilen Messgeräte führten im ersten Halbjahr dieses Jahres zu insgesamt mehr als 132.000 Anzeigen – im Schnitt also gut 4100 pro Gerät in sechs Monaten. Die dadurch erzielten Einnahmen aus Verwarnungs- und Bußgeldern stiegen zum Vorjahr um rund 1,3 Millionen auf knapp 4,4 Millionen Euro.

Zum Vergleich: Die 28 stationären Blitzer brachten in dieser Zeit gut 6,1 Millionen Euro in die Kasse und damit mehr als doppelt so viel wie im Vergleichzeitraum 2017. Auch hier sollen im Laufe des Jahres sechs neue Geräte aufgestellt werden.

Weiterlesen: Hamburgs Blitzer knacken Zehn-Millionen-Euro-Marke

Mobile Blitzer erfordern weniger Personaleinsatz

Der Senat betonte die Vorteile der mobilen Geschwindigkeitsmessung gegenüber stationären Geräten, die – da vielen Autofahrern bekannt – lediglich auf einem Abschnitt zwischen 200 und 500 Metern zu einer Temporeduzierung führen würden. Allerdings sei der Personaleinsatz bei den bisher genutzten mobilen Geräten hoch.

„Der Betrieb dieser Anhänger ist flexibel an wechselnden Standorten ohne die dauerhafte Anwesenheit von Personal möglich“, schreibt der Senat. Damit könne die Zahl der Messungen – auch nachts und am Wochenende – spürbar erhöht und durch wechselnde Standorte „Flächendruck“ erzeugt werden.

Bill zeigte sich optimistisch, „dass wir damit insbesondere in Tempo-30-Zonen, vor Schulen und Kitas die Kontrolldichte erhöhen können.“ Mobile Blitzer erzeugten „ein gewisses Maß an Unsicherheit und fordern damit konsequent die Einhaltung des Tempolimits“, betonte Schumacher.

Die CDU-Opposition begrüßte die Ausweitung der mobilen Kontrollen, bemängelte aber zugleich, dass diese schon früher hätte erfolgen müssen. „Hamburg ist Raserhauptstadt“, sagte der Verkehrsexperte der Fraktion, Dennis Thering. Die Kontrollen müssten schwerpunktmäßig vor Schulen, Kita, Krankenhäusern, Pflegeheimen und an Unfallschwerpunkten erfolgen. „Denn Selbstzweck oder gar eine Lizenz zum Abkassieren ist Blitzen nicht.“

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