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Produktprogramm „Smart Mounting“ : Tesa will Schrauben und Nägeln Konkurrenz machen

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„Kleben statt Bohren“: Der Slogan soll um ein neues Produktprogramm erweitert werden. Tesa will mit innovativer Klebetechnik konkurrenzfähig bleiben.

shz.de von
erstellt am 22.Mär.2016 | 19:21 Uhr

Norderstedt | Das ist mal eine Kampfansage. „Wir wollen Schrauben und Nägeln Konkurrenz machen“, kündigte der neue Vorstandschef des Klebemittelherstellers Tesa, Robert Gereke, gestern bei der Bilanzvorlage an. Das Tochterunternehmen der Beiersdorf AG startet dazu in Baumärkten das Produktprogramm „Smart Mounting“ (schlaue Befestigung), bei der Klebehalterungen die Bohrmaschine überflüssig machen sollen. Gereke: „Wir wollen die Produkte bewusst in der Abteilung für Nägel und Schrauben platzieren, um sie den Kunden als Alternative vorzustellen.“ Die geklebten Haken sollen auch schwerere Lasten tragen können, entfernen lassen sie sich laut dem Tesa-Chef anschließend durch einfaches Abziehen, wie bei Powerstrips.

Die innovative Klebetechnik steht stellvertretend für die Strategie des Unternehmens, das Anfang des Jahres seine Zentrale mit 1000 Arbeitsplätzen von Hamburg ins benachbarte Norderstedt verlegt hat. Moderne Klebetechnologie erfordere ständige Neuentwicklungen, berichtete Gereke. Das gelte vor allem für die wichtigsten industriellen Abnehmer aus den Bereichen Automobile und Electronics (Handys und Tablets), die zusammen etwa die Hälfte des Tesa-Umsatzes ausmachen. Der in jedem deutschen Haushalt vertraute Tesa-Film steuert dagegen nur noch zwei Prozent zum Gesamtgeschäft der Norderstedter bei.

Gereke: „Jedes Handy enthält 30 bis 35 unterschiedliche Klebeelemente.“ Weil sich die Smartphone- und Tabletgenerationen in rasantem Tempo abwechseln, müsse sein Unternehmen jedes Jahr ein ganzes Sortiment neuer Produkte für diesen Bereich auf den Markt bringen, um konkurrenzfähig zu bleiben. Fünf Prozent des Umsatzes fließe daher in Forschung und Entwicklung immer. Aktuell biete Tesa Klebefolien an, mit denen die kommenden flexiblen Handydisplays befestigt werden. 

Besonders zukunftsträchtig sei zudem der Automobilmarkt, weil Elektronik in Fahrzeugen eine immer größere Rolle spielt. Im Autobau wird vermehrt geklebt statt geschweißt oder verlötet. So liefert Tesa unter anderem isolierende Klebebänder zur Umwickelung von Kabelbündeln in Autos. Aber auch Klebefolien, um Komponenten für Batterieakkus in E-Mobilen miteinander zu verbinden – ein weiterer möglicher Markt von morgen.

Mit der Umsatzentwicklung im Jahr 2015 zeigte sich das Management zufrieden. Der nominelle Anstieg um knapp sechs Prozent auf 1,1 Milliarden Euro war indes vor allem auf günstige  Währungsbedingungen zurückzuführen; organisch wuchs Tesa lediglich um 0,4 Prozent. Der Gewinn (Ebit) legte um vier Prozent auf 191 Millionen Euro zu. Belastend wirkte vor allem das nachlassende Wachstumstempo in China, weshalb die Sparte Electronics um 13 Prozent absackte. Besonders erfreulich entwickelten sich dagegen die Geschäfte in den USA mit einem Plus von 17 Prozent. Für das laufende Jahr erwartet der Vorstand ein Umsatzwachstum zwischen zwei und vier Prozent.

Weltweit beschäftigt Tesa 4100 Mitarbeiter, die Hälfte davon in Deutschland, im Hamburger Produktionswerk Hausbruch sind es 420.

 

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