Bluttat im Supermarkt : Terrorangriff von Barmbek: Messerstecher ist schuldfähig

Polizisten sperrten nach dem Messerangriff in einem Supermarkt den Tatort ab.
Foto:
Polizisten sperrten nach dem Messerangriff in einem Supermarkt den Tatort ab.

Dem Asylbewerber aus Palästina, der sich ab dem 12. Januar wegen Mordes verantworten muss, droht eine lebenslange Freiheitsstrafe.

shz.de von
04. Januar 2018, 13:50 Uhr

Hamburg | Kurz vor Beginn des Terrorprozesses um das Messerattentat von Barmbek scheint klar: Der mutmaßliche Angreifer Ahmad A. (26) ist offensichtlich voll schuldfähig. Zu dieser Einschätzung kommt nach Informationen von shz.de der psychiatrische Sachverständige in seinem Gutachten für die Hauptverhandlung vor dem Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts.

Laut Anklage der Bundesanwaltschaft hat Ahmad A. am 28. Juli 2017 in einer Edeka-Filiale an der Fuhlsbüttler Straße einen 50-Jährigen mit einem Küchenmesser erstochen und weitere sechs Menschen durch Stiche teils lebensgefährlich verletzt. Nach der Bluttat hatte es Spekulationen um eine seelische Störung bei ihm  gegeben. Zuvor hatten die Behörden den Mann als „Verdachtsfall Islamist“, aber nicht als Gefährder eingestuft. Der Empfehlung des Verfassungsschutzes, ein sozialpsychiatrisches Gutachten über A. einzuholen, war die Polizei seinerzeit nicht gefolgt.

Die Bundesanwaltschaft geht davon aus, dass der Angeklagte als islamistischer Einzeltäter handelte, der sich selbst radikalisierte. Laut Anklage suchte er seine Opfer „wahllos und stellvertretend zur Vergeltung des Unrechts aus, das Menschen islamischen Glaubens aus seiner Sicht weltweit erfahren“. Dabei habe A. den Konflikt um den Tempelberg in Jerusalem vor Augen gehabt, die Zugangsbeschränkungen zur Al-Aksa-Moschee als unerträglich empfunden, für die er Deutschland mitverantwortlich gehalten habe.

Wörtlich formuliert die Staatsanwaltschaft: „Es ist ihm darauf angekommen, möglichst viele deutsche Staatsangehörige christlichen Glaubens – gleichsam als Sühne – zu töten.“ Seinen Angriff wollte A. demnach „als Beitrag zum weltweiten Dschihad“ verstanden wissen. Nach den Erkenntnissen gehörte der Palästinenser jedoch weder zum Islamischen Staat noch zu einer anderen Terrorgruppe.

A. hatte aus der Auslage des Edeka-Geschäfts ein Küchenmesser mit einer Klingenlänge von 20 Zentimetern ergriffen und damit ohne Vorwarnung den 50-Jährigen angegriffen. Dieser erlitt drei Stiche in den Oberkörper und starb noch am Tatort. Anschließend soll der Angeklagte im und vor dem Geschäft weitere sechs Personen angegriffen haben. Unter anderem stach er auf eine Radfahrerin ein, deren Herz er nur knapp verfehlte.  Der Angreifer wurde schließlich von Passanten gestoppt, die sich ihm mit Stühlen in den Händen entgegen stellten.

Für den Prozess sind acht Termine angesetzt. Ein Urteil wird nicht vor März erwartet.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert