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Lärmpegel in Hamburg : Tempo 30 gegen den Krach

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Hamburg ist laut - für viele Anwohner zu laut. Die Lärmbeauftragte der Hansestadt prüft daher, ob in besonders lauten Straßen Tempo 30 die Belastung verringern könnte. Es geht zum Beispiel um die Harburger Chaussee und die Moorstraße.

shz.de von
erstellt am 18.Okt.2013 | 10:01 Uhr

Frau Pieroh-Joußen, ist Hamburg zu laut?
Hamburg ist eine Großstadt und damit lauter als etwa ländliche Orte. Hohe Lärmpegel treten hier gehäuft auf. Als Großstadt ist Hamburg aber nicht zu laut. Gleichwohl gibt es sicher Potenziale, um Lärm zu verringern. Die Maßnahmen dazu haben wir im gerade fortgeschriebenen Lärmaktionsplan vorgelegt.

Wie viele Hamburger leiden unter Lärm?
Die zugrunde liegende Umgebungslärmrichtlinie der EU sieht leider keine Grenzwerte vor auch keine verbindliche Verpflichtung, an lauten Orten Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Das ist ein großes Problem. Wir orientieren uns an den Schwellenwerten, die der Sachverständigenrat der Bundesregierung empfiehlt. Das sind als 24 Stunden-Wert 65 Dezibel A (dB(A)), sowie nachts 55 dB (A). In Hamburg sind 95.000 Bewohner nächtlichem Straßenlärm oberhalb dieses Wertes ausgesetzt.

Was verursacht den meisten Lärm?
Eindeutig der Straßenverkehr. In Hamburg leben knapp 90.000 Menschen an Straßen, die über dem 65-Dezibel-Wert liegen.

Wie steuern Sie gegen?
Wenn wir an den Hauptverkehrsstraßen die empfohlenen Schwellenwerte einhalten wollten, müsste es an zirka 60 Prozent der Straßen entsprechende Maßnahmen geben. Das ist nicht umsetzbar und auch nicht finanzierbar.

Was tut Hamburg dann?
Wir haben 40 Straßen ermittelt, an denen die meisten von Lärm betroffen Menschen wohnen und prüfen dort Maßnahmen.

Welche?
An den ersten vier dieser lautesten Straßen ermitteln wir gerade, ob ein nächtliches Tempolimit von 30 Kilometern in Frage kommt.

Welche Straßen sind das?
Das sind jeweils Abschnitte der Harburger Chaussee, der Winsener Straße und der Fuhlsbüttler Straße sowie die Moorstraße in Harburg.

Wann kommt die Umsetzung?
Die Prüfungen laufen, dazu gehören Lärmmessungen und Verkehrszählungen. Mehrere Behörden sind eingebunden. Ich hoffe, dass es noch Ende 2013 eine Entscheidung gibt, wo wir mit Tempo 30 als Pilotprojekt starten.

Ist Flüsterasphalt das beste Mittel gegen Straßenlärm?
Lärmmindernde Beläge bringen tatsächlich einiges und verringern den Lärm um bis zu 3 dB (A). Deshalb gehören diese zu den möglichen Maßnahmen. Aber wir können nicht alle Straßen aufreißen und neu machen. Flüsterasphalt ist leider teurer, muss öfter gereinigt werden und hält nicht besonders lange.

Die meist benutzte Start- und Landebahn des Hamburger Flughafens führt über das schleswig-holsteinische Umland. Die Menschen dort fühlen sich als größte Lärmopfer. Spüren sie das als Fluglärmschutzbeauftragte?
Ja. Ein Großteil der Beschwerden zum Fluglärm erreichen uns aus den Bereichen Norderstedt/Quickborn und Ahrensburg. Betroffene rufen mich an und sagen: „Ich bin doch nicht weniger wert als Menschen, die in Hamburg wohnen. Warum kriege ich mehr Fluglärm ab?“

Können Sie denen Hoffnung machen, dass sich etwas ändert?
Leider nein. Ich kann die Beschwerden zwar verstehen. Aber die geltenden Bahnbenutzungsregeln richten sich danach, dass möglichst wenige Menschen mit Fluglärm belastet werden. Und das Umland ist nun einmal dünner besiedelt als das Hamburger Stadtgebiet.

Ein Großflughafen in Kaltenkirchen würde Entlastung bringen...
Ich glaube, es ist wichtig, dass eine Stadt wie Hamburg ihren eigenen Flughafen hat. Außerdem würde es auch in Kaltenkirchen von Fluglärm belastete Anwohner geben.

Besonders empört sind Anwohner, wenn sie von nächtlichen Flügen nach 23 Uhr aus dem Schlaf gerissen werden. Warum halten sich Airlines nicht an die Nachtflugbeschränkungen?
Die allermeisten Fluglinien tun das sehr wohl. Es gibt aber die Regelung, dass regelmäßig verkehrende Flüge im Verspätungsfall bis 24 Uhr in Fuhlsbüttel starten und landen dürfen. Die Zahl dieser Flüge hat in den vergangenen Jahren deutlich abgenommen.

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