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Fernsehturm in Hamburg : Telemichel – Ein Winzer will, dass es wieder aufwärts geht

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der leer stehende Hamburger Fernsehturm soll wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

shz.de von
erstellt am 12.Okt.2017 | 08:14 Uhr

Hamburg | Erst Leerstand, dann Hoffnung, jetzt Stillstand: Für die angekündigte Sanierung und Wiedereröffnung des Hamburger Fernsehturms gibt es auch knapp ein Jahr nach dem vermeintlichen Durchbruch keinen Zeitplan. Im November 2016 hatte der Bund zugesagt, 18,5 Millionen Euro für die Brandschutzsicherung und das Fluchtkonzept des „Telemichel“ bereitzustellen, sofern der Hamburger Senat sich mit Mitteln in derselben Höhe beteiligt. Doch obwohl die Stadtregierung das längst zugesichert hat, tritt das Vorhaben auf der Stelle.

Laut Vize-Senatssprecher Sebastian Schaffer liegen die endgültigen Pläne zur Sanierung noch nicht vor. Erst wenn dies der Fall sei, werde der Senat der Bürgerschaft einen Finanzierungsvorschlag unterbreiten. Einen Zeitpunkt dafür nennt der Senat freilich nicht. Allerdings, so heißt es aus dem Rathaus beruhigend, deute die Verzögerung keineswegs darauf hin, dass die Wiederöffnung des Heinrich-Hertz-Turms in Gefahr sei.

Dennoch werden Opposition und Fernsehturm-Fans ungeduldig. „Wenn der Senat weiter im Schneckentempo arbeitet, wird das nichts“, kritisiert der CDU-Bürgerschaftsabgeorndete David Erkalp. Ebenso wie die FDP fordert er die zügige Vorlage belastbarer Planungen sowie eines Finanzkonzepts.

Der denkmalgeschützte Fernsehturm – mit 279 Metern das höchste Gebäude Hamburgs – ist seit Januar 2001 nicht mehr öffentlich zugänglich. Wegen Asbestverseuchung wurden seinerzeit Aussichtsplattform und Drehrestaurant in 128 Metern Höhe geschlossen. Obwohl der krebserregende Stoff mittlerweile entsorgt ist, blieb der beliebte Aussichtspunkt dicht. Die Telekomtochter Deutsche Funkturm GmbH (DFMG) als Eigentümerin des 1968 in Betrieb genommenen Bauwerks hat kein Interesse, 37 Millionen Euro in neue Fahrstühle, Fluchtwege und die Modernisierung der Gastronomie zu investieren. Sie nutzt das Wahrzeichen nur noch als Sendestation für TV, Radio und Handysignale.

Bewegung in die Sache will ausgerechnet ein Winzer aus Rheinland-Pfalz bringen. Heinfried Strauch (59) kämpft seit Jahren für den „Telemichel“ und hat mit Gleichgesinnten die private Stiftung „Hamburg aufwärts“ gegründet. Am Mittwoch präsentierte diese ein Konzept zur Mitfinanzierung. Strauch: „Wir haben die besten Spieler auf dem Feld, doch das Spiel kommt nicht zum Laufen. Ich bin ein bisschen sauer auf den Senat“, sagte der Turmfreund aus der Provinz, der in den Überlegungen von Bund und Stadt freilich keine Rolle spielt.

Dennoch will er mit Hilfe von Spenden und dem Verkauf von Gedenkmedaillen zum 50. „Geburtstag“ der Teil-Ruine nun kräftig Geld sammeln. Ziel sei es, mit den Stiftungserlösen vor allem den gastronomischen Betrieb zu ermöglichen. Denn: „Mit der Gastronomie allein verdient man nicht genug Geld. Es muss über die Fahrstuhleinnahmen gehen.“ Das Kalkül: Zahlt jeder Besucher für eine Auf- und Abfahrt etwa zehn Euro, kämen im Jahr gut fünf Millionen in die Kasse. Und: Strauch schlägt vor, dass jeder Gast obendrein einen „Auffahrts-Euro“ zahlt. Das Geld soll sozialen Zwecken zufließen.

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