VW-Tochter Moia : Taxi-Demo in Hamburg gegen geplantes Angebot von E-Sammeltaxis

Der Verkehr in der Hamburger Innenstadt kam zeitweise zum Erliegen.

Der Verkehr in der Hamburger Innenstadt kam zeitweise zum Erliegen.

Die Taxifahrer protestierten per Korso gegen die Konkurrenz von Sammeltaxis und autonomen Kleinbussen von Autokonzernen.

shz.de von
17. April 2018, 17:40 Uhr

Hamburg | Diese Wut-Demo konnte gestern niemand in der Hamburger Innenstadt übersehen oder überhören: Laut hupend sind am Dienstagmittag etwa 300 Taxifahrer in ihren Dienstwagen durch die City gerollt und haben ihrem Unmut über das geplante Sammeltaxiangebot der VW-Tochter Moia und anderer Autohersteller Luft gemacht. „Wenn die Stadt solche Projekte genehmigt, wird das viele Taxiunternehmen in Hamburg die Existenz kosten“, warnte Clemens Grün, Vorsitzender des Hamburger Taxenverbands und Mitorganisator der Protestfahrt.

Polizeimotorräder begleiteten den Korso, der elfenbeinfarbene Lindwurm zog sich mehrere hundert Meter in die Länge. Der Verkehr in der City kam zeitweise zum Erliegen. Etliche Demonstranten hatten ihre Fahrzeuge mit Protestplakaten versehen, zu lesen waren Aufschriften wie „Moia - steril, kalt und reduziert“, „Politik plant Frontalangriff auf regulierten Taximarkt“ und „Taxi – innovativ und menschlich“.

Moia hat beantragt, ab Anfang 2019 elektrische Kleinbusse als Sammeltaxis in der Hansestadt testen zu dürfen. Die Bullis haben Platz für sechs Passagiere und sollen per App bestellt werden. Anders als Taxis verbinden die Fahrzeuge mehrere Anlaufpunkte und Kunden zu gemeinsamen Touren. Eine Verknüpfung mit den Switch-Punkten an U- und S-Bahnstationen ist vorgesehen.

Der Preis für die Fahrten werde deutlich unter denen von üblichen Taxis liegen, verspricht das VW-Tochterunternehmen. Mittelfristig sollen die Moia-Vehikel auch autonom unterwegs sein. In Hannover ist ein entsprechender Test mit 35 Sammeltaxis angelaufen. Für Hamburg hat Moia eine vierjährige Probephase beantragt, mit bis zu 1000 Fahrzeugen in der Endphase. In der Hansestadt sind aktuell etwa 3000 Taxis zugelassen.

Der Demonstrationskonvoi führte zum Dienstsitz von Verkehrssenator Frank Horch (parteilos) am Alten Steinweg. „Wir fordern die Hamburger Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation auf, den Antrag der VW-Tochter Moia, einen Probebetrieb mit bis zu 1000 Fahrzeugen nicht zu genehmigen“, verlangte Christian Brüggmann, 1. Vorsitzender der Taxen-Union Hamburg Hansa, dort bei einer Kundgebung. Man scheue einen fairen Wettbewerb mit den Sammeltaxen nicht. Allerdings, so Brüggmann, wolle die Stadt die Kleinbusse von der Beförderungs-, Tarif- und Betriebspflicht der Taxen befreien.

Horch ließ mitteilen, über die Zulassung der E-Sammeltaxis sei noch nicht entschieden. Allerdings sei Moia nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung des Taxiangebots gedacht. Die Genehmigung des Projekts gilt als sehr wahrscheinlich. Hamburg ist Ausrichter der Weltverkehrskonferenz 2021 und will sich als Pionier bei innovativen, emissionsfreien und autonomen Mobilitätskonzepten positionieren.

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