Tödliche Messerattacke am Jungfernstieg : Tatverdächtiger bedrohte Frau schon vor dem tödlichen Angriff

Blumen liegen auf dem S-Bahnsteig Jungfernstieg, wo der Vater vor den Augen vieler Zeugen auf seine einjährige Tochter und seine Ex-Frau eingestochen haben soll.

Blumen liegen auf dem S-Bahnsteig Jungfernstieg, wo der Vater vor den Augen vieler Zeugen auf seine einjährige Tochter und seine Ex-Frau eingestochen haben soll.

Der 33-Jährige soll seine Ex-Frau und seine Tochter getötet haben. Am Freitag soll er dem Haftrichter vorgeführt werden.

Lorenz 4,5x6-1.jpg von
13. April 2018, 19:27 Uhr

Hamburg | Das tödliche Messerdrama am Hamburger Jungfernstieg geschah keineswegs aus dem Nichts. Der mutmaßliche Doppelmörder Mourtala M. (33) hatte seiner Ex-Partnerin (34) bereits vor der Bluttat mit zwei Toten gedroht. Die Staatsanwaltschaft bestätigte ein Ermittlungsverfahren gegen den Asylbewerber aus Niger wegen Bedrohung.

Am Freitag erging Haftbefehl wegen doppelten Mordverdachts gegen M., der am Donnerstagvormittag mit einem Messer die 34-Jährige und die gemeinsame Tochter (1) erstochen haben soll. Dem Vernehmen nach hat M. die Tat in den Vernehmungen zugegeben, bestätigt wurde das zunächst nicht. Er hatte selbst die Polizei angerufen und sich Tatortnähe festnehmen lassen.

Das Paar hatte sich offenbar vor einigen Monaten getrennt. Wie die „Bild-Zeitung“ berichtet, soll M. die Trennung nicht akzeptiert haben. Ein Nachbar berichtete dem Blatt, der Vater sei einmal vor dem Wohnhaus der Mutter mit ihren insgesamt fünf Kindern aufgetaucht und habe geschrien: „Ich bringe dich um.“

Gefährderansprache, Antiagrressionstraining und Kontaktauflagen zur Tochter

Seine ehemalige Freundin erstatte Anfang des Jahres Anzeige wegen Bedrohung. Die Polizei reagierte mit einer Gefährderansprache, das Familiengericht verhängte Kontaktauflagen zu der gemeinsamen Tochter und schickte den 33-Jährigen einem Antiagrressionstraining. 

Hintergrund war offenbar ein immer heftiger werdender Streit um das Sorgerecht für die gemeinsame Tochter. Am Mittwoch vor der Tat hatte das Familiengericht einen Antrag des Vaters auf eine gemeinsame Sorge für das Mädchen zurückgewiesen.

Womöglich liegt das Motiv des Angriffs in der unklaren Aufenthaltssituation des Flüchtlings. M. war 2013 nach Hamburg gekommen, gehörte zur „Lampedusa-Gruppe“ von etwa 300 schwarzafrikanischen Migranten. Zeitweise erhielt er Asyl in einer Kirche auf St. Pauli.

Verlust des Sorgerechts wäre es auf Rückführung nach Niger hinausgelaufen

Dem Mann aus dem Wüstenstaat Niger drohte zuletzt allerdings die Abschiebung. Das Bundesamt für Flüchtlinge hatte im vergangenen Jahr erklärt, dass es kein Abschiebehindernis gebe. Wegen der Geburt seiner Tochter hatte der 33-Jährige jedoch bereits eine Aufenthaltserlaubnis erhalten. Diese ist allerdings bis 2019 befristet, bei Verlust des Sorgerechts wäre es auf eine Rückführung nach Niger hinausgelaufen.

Nach bisherigen Erkenntnissen war Mourtala M. am Donnerstag schon in der S-Bahn auf seine Ex-Freundin getroffen. Diese befand sich in Begleitung ihres neuen Freundes, offenbar ebenfalls ein Schwarzafrikaner. Im Zug sei es zum Streit zwischen den Ex-Partnern gekommen, auf dem Bahnsteig soll M. dann zunächst das Kleinkind im Buggy, dann die 34-Jährige mit wuchtigen Stichen angegriffen haben. Der neue Freund sei in Panik geflüchtet, hieß es.

Die vier anderen Kinder der getöteten Mutter befinden sich in der Obhut des Hamburger Jugendamtes. Sie sind zwischen drei und 15 Jahren alt.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert