Wotan Wilke Möhring : „Tatort“: Grusel zwischen Stadt und Watt

Für den neuen NDR-'Tatort' 'Mord auf Langeoog' drehten Wilke Möhring und Schmidt-Schaller auf der ostfriesischen Insel Langeoog.
Für den neuen NDR-"Tatort" "Mord auf Langeoog" drehten Wilke Möhring und Schmidt-Schaller auf der ostfriesischen Insel Langeoog.

Den Hamburger Neu-Kommisar Thorsten Falke verschlägt es auf die Insel Langeoog. Und dort legt er einen exzellenten Auftritt hin, meint unser TV-Kritiker Frank Kober.

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24. November 2013, 14:08 Uhr

Hamburg/Langeoog | Am Meer mordet es sich immer noch am schönsten. Zumindest im Fernsehen. Evozieren doch schaurige Geschichten und bizarre Küstenlandschaften immer wieder höchst faszinierende Krimis. Und so überkommen uns spätestens seit Matti Geschonnecks „Mord am Meer“ (2004) in schöner Unregelmäßigkeit maritim veredelte Thriller, wie „Die Frau aus dem Meer“, „Vom Ende der Eiszeit“ oder zuletzt Tim Dragesers „Mord in den Dünen“.

Dass es den Hamburger Neu-Kommissar Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) jetzt bei seinem zweiten Fall gleich raus auf Langeoog verschlägt, ist da kaum verwunderlich. Denn nach seinem bräsigen Einstand im April tut wenigstens ästhetische Wiedergutmachung not. Und was soll’s, ein knackiger TV-Mord im Watt kann uns Nordländern ja nur recht sein.

Falke macht Urlaub auf Langeoog. Bei seinem Kumpel und Ex-Kollegen Jan und dessen Frau Mimi (Sebastian Schipper, Laura Tonke). Da wird eine Frauenleiche in den Dünen gefunden. Und neben ihr, zugedröhnt und blutverschmiert, ausgerechnet Mimis Bruder Florian (Leonard Carow). Hatte der labile Teenager aus Liebesfrust zugestochen?

Natürlich nimmt Falke mit Kollegin Lorenz (Petra Schmidt-Schaller) sofort die Ermittlungen auf. Und natürlich kommt er damit der zuständigen Ermittlerin Christine Brandner in die Quere (Nina Kunzendorf). Doch so sehr sich die Kriminalen auch fetzen, das Mysterium des Mordes können sie nur gemeinsam lösen. Doch, das sieht schon viel besser aus, was Möhring da zelebriert. Mehr Biss, mehr Pep und einige Gänsehaut-Momente, wenn er vor Wut oder Selbstzweifel ins Schlingern gerät. Kein Wunder, Max Eipp (Buch) und Stefan Kornatz (Buch, Regie) setzen weniger auf die „milchigen“ Marotten ihres Kommissars, als auf seine mentalen Stärken. Ein exzellenter Auftritt. Bleibt nur die Frage, warum Frau Kunzendorf gelangweilt aus dem Frankfurter „Tatort“ mit Joachim Król aussteigt und nun als Küsten-Politesse wieder auftaucht. Dafür kann es nur eine Erklärung geben: Am Meer ermittelt es sich immer noch am schönsten.

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