Ganztägige Warnstreiks : Tarifstreit eskaliert weiter: Arbeiter im Norden streiken

Streik

Im Streit geht es unter anderem um die zeitweise Verkürzung der Arbeitszeit.

Die IG Metall Küste mobilisiert mehr als 4000 Arbeitnehmer zu Warnstreiks. Am Donnerstag werden die Aktionen ausgeweitet.

shz.de von
31. Januar 2018, 14:45 Uhr

Hamburg | Die IG Metall Küste hat am Mittwoch zehn Betriebe von Nordwest-Niedersachsen bis Flensburg bestreikt und ihre Produktion lahmgelegt. In den meisten Betrieben legten die Mitarbeiter mit der Frühschicht zwischen vier und sechs Uhr die Arbeit für 24 Stunden nieder. In Bremen hatten die Arbeiter der Firma Gestra bereits am Vorabend mit einem 24-Stunden-Warnstreik begonnen und damit den Auftakt gemacht. Mecklenburg-Vorpommern war am ersten Tag der Warnstreiks noch nicht dabei. Insgesamt beteiligten sich nach Angaben der IG Metall Küste 4100 Metaller an den Warnstreiks. In den betroffenen Unternehmen arbeiten mehr als 5000 Beschäftigte.

Die Gewerkschaft verlangt sechs Prozent mehr Geld und Möglichkeiten zur Reduzierung der Arbeitszeit auf 28 Wochenstunden. Bestimmte Gruppen wie Schichtarbeiter, pflegende Angehörige oder Eltern junger Kinder sollen nach ihrer Vorstellung einen Teilausgleich für entgangenen Lohn erhalten, was die Arbeitgeber strikt ablehnen. Sie verlangen zudem, das verfügbare Arbeitsvolumen zu erhalten.

In Flensburg versammelten sich knapp 400 Mitarbeiter der Flensburger Schiffbau-Gesellschaft (FSG) bei Nieselregen und Wind vor dem Haupttor der Werft zu einer Kundgebung. Sie brannten Feuerwerkskörper ab und wärmten sich mit Kaffee an einer Feuertonne. An den anderen Toren standen Posten, die kontrollierten, dass außer der Notmannschaft niemand das Gelände betritt. Es gebe aber keine Streikbrecher, sagte der FSG-Betriebsratsvorsitzende Ralf Sasse. Auch Leiharbeiter seien nicht auf dem Gelände.

Allein beim Hamburger Gabelstapler-Hersteller Still traten 2200 Beschäftige in den Warnstreik. „Die Arbeitgeber haben die Zeichen der Zeit nicht erkannt“, sagte Meinhard Geiken, Bezirksleiter der IG Metall Küste, bei einer Kundgebung vor dem Werkstor. „Wir setzen auf moderne Arbeitszeitmodelle und sie halten an ihrer Herr-im-Haus-Mentalität fest.“ Mit den 24-Stunden-Warnstreiks eskaliert die IG Metall die Tarifauseinandersetzung in der Metallindustrie auf eine neue Stufe.

Umstritten sind vor allem die geforderten Arbeitszeitregelungen, die den Beschäftigten eine zeitweise Verkürzung der Arbeitszeit mit einem Zuschuss der Unternehmen unter bestimmten Voraussetzungen ermöglichen sollen.

In folgenden Betrieben wird im Norden gestreikt:

IG Metall Flensburg Flensburger Schiffbau-Gesellschaft, Batteriestraße 52, 24939 Flensburg, ganztägiger Warnstreik von 6 Uhr bis 6 Uhr, Kundgebung um 8 Uhr vor dem Betrieb
IG Metall Rendsburg Procast Guss GmbH, Gießereiweg 17, 24589 Nortorf, ganztägiger Warnstreik von 4 Uhr bis 4 Uhr,  Kundgebung um 13 Uhr
  Flowserve SIHI, Am Freizeitpark 1, 25832 Tönning, ganztägiger Warnstreik von 5 Uhr bis 19 Uhr, Kundgebung um 6.20 Uhr mit Meinhard Geiken, Bezirksleiter IG Metall Küste
IG Metall Unterelbe Steen GmbH, Carl-Zeiss-Straße 4, 25335 Elmshorn, ganztägiger Warnstreik von 6 Uhr bis 16 Uhr, Kundgebung um 8.30 Uhr

Die ganztägigen Warnstreiks im Norden werden laut IG Metall bis Freitag dauern. Am Donnerstag wird sich die Gewerkschaft auf die Automobilindustrie und ihre Zulieferer fokussieren. Aufgerufen zum ganztägigen Warnstreik sind 15.000 Beschäftige aus sechs Unternehmen, darunter Daimler und Lear in Bremen, Mercedes in Hamburg und Kolbenschmidt in Papenburg. Aus Schleswig-Holstein sind GKN Driveline in Kiel und Flowserve SIHI in Itzehoe dabei.

In den Bundesländern Hamburg, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und dem nordwestlichen Niedersachsen arbeiten 140.000 Beschäftigte in den Betrieben der Metall- und Elektroindustrie.

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