Hamburg : Suding FDP-Spitzenkandidatin für die Bürgerschaftswahl

Die FDP-Fraktionsvorsitzende soll den Liberalen zum Einzug in die Hamburgische Bürgerschaftswahl verhelfen. Die chronisch zerstrittene Partei machte Suding erneut mit einem für FDP-Verhältnisse relativ guten Ergebnis zur Spitzenkandidatin.

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06. Juli 2014, 15:34 Uhr

Machtkampf gewonnen, doch der „Zickenkrieg“ geht wohl weiter: Hamburgs FDP-Fraktionsvorsitzende Katja Suding ist am Sonntag mit deutlicher Mehrheit zur Spitzenkandidatin ihrer Partei für die Bürgerschaftswahl im Februar 2015 gewählt worden. Bei einer Landesvertreterversammlung in Wandsbek stimmten 75 Prozent der Delegierten für die 38-Jährige, ein knappes Viertel sprach sich gegen die Fraktionsvorsitzende aus; einen Gegenkandidaten gab es nicht. Die Gegenstimmen für das bekannteste Gesicht der Elbliberalen kamen aus dem Lager der FDP-Landesvorsitzenden Sylvia Canel, die sich mit Suding seit Jahren einen verbissenen persönlichen Zwist leistet.

Canel trat zwar nicht gegen Suding um den Spitzenplatz an, bewarb sich später aber um einen der hinteren Plätze der Landesliste – gegen den erklärten Willen der Spitzenkandidatin. Suding hatte im Vorfeld gedroht, die Spitzenkandidatur abzulehnen, sollte sich auch Canel um ein Bürgerschaftsmandat bewerben. Das Canel-Lager hatte darauf empört reagiert und von einem Erpressungsversuch gesprochen. Allerdings liegt Canels Listenplatz jenseits der 18 ist damit de facto aussichtslos für den Einzug ins Landesparlament; derzeit stellen die Hanse-Liberalen neun Abgeordnete. Die Fraktionsvorsitzende Suding kann den gestrigen Tag auch deshalb als Erfolg verbuchen, weil sich auf den vielversprechenden Listenplätzen durchweg ihre Unterstützer durchsetzten. Der Wiedereinzug der Freien Demokraten in die Bürgerschaft ist jedoch nach dem schwachen Abschneiden bei der Bezirkswahl im Mai (3,7 Prozent) in Gefahr.

Auch wenn Suding als Punktsiegerin dasteht: Am Abend eines langen Wahltages blieb völlig unklar, wie die zerstrittenen Frontfrauen erfolgreich gemeinsam Wahlkampf für ihre Partei führen wollen. Deren Zerwürfnis wurzelt dabei nicht in unterschiedlichen politischen Vorstellungen, sondern in einer herzhaften gegenseitigen Antipathie. Anfang 2013 hatte Canel sich überraschend gegen Suding bei der Wahl zum Parteivorsitz durchgesetzt. Hauptargument der 56-Jährigen damals: keine Machthäufung von Fraktions- und Parteivorsitz in einer Person. Um so üblicher nahm es Suding der Parteichefin, als diese Ambitionen hegte, selbst in die Bürgerschaft einzuziehen. Schon länger sprechen die beiden kein Wort mehr miteinander. Der „Hamburger Zickenkrieg“ hatte auch die Bundespartei alarmiert. Zunächst sah sich Parteivize Wolfgang Kubicki genötigt, öffentlich für Suding einzutreten. Zu Pfingsten eilte der Bundesvorsitzende Christian Lindner an die Elbe, um die Streithähne zueinanderzubringen.

Befrieden könnte Lindner die Lage nicht, auch am Sonntag prägte die vergiftete Atmosphäre die Versammlung. Die Kontrahentinnen würdigten sich kaum eines Blickes, es dauerte eine Dreiviertelstunde, bis sie sich zumindest begrüßten. Auf Nachfrage von Delegierten räumte Suding ein, dass es keine politischen Differenzen mit der Landesvorsitzenden gebe. Dennoch machte sie klar, dass sie Canel nicht auf der Kandidatenliste sehen will. „Ich habe eine Mannschaft, mit der ich antreten möchte.“ Zu dieser zählte die Spitzenkandidatin lediglich Mitglieder der aktuellen Bürgerschaftsfraktion. Zugleich forderte Suding aber ein Ende der Streitigkeiten. „Sie werden mir zustimmen, dass wir mit einem solchen Auftritt in den nächsten Monaten nicht weiterkommen und dass wir den Zustand schleunigst abstellen müssen.“ Bei der Bürgerschaftswahl gehe es nicht nur um Hamburg, sondern auch um die Zukunft der Bundespartei.

Inhalte gerieten angesichts der explosiven Grundstimmung in den Hintergrund. Bemerkenswert waren immerhin unverhohlene Avancen in Richtung SPD, sowohl von Suding als auch von Wieland Schinnenburg, Bürgerschaftsabgeordneter und auf Platz zwei der Liste gewählt: „Ich will, dass die SPD vor der Wahl steht, ob sie mit uns regiert – oder weiter den fiesen Schinnenburg an der Backe hat.“

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