„Sozialer Numerus Clausus“ : Studieren in Hamburg: Beliebt – und besonders teuer

Nur jeder zehnte Student in Hamburg kommt aus einem Haushalt mit niedrigem Bildungsniveau.
Nur jeder zehnte Student in Hamburg kommt aus einem Haushalt mit niedrigem Bildungsniveau.

Der Geschäftsführer des Studentenwerks Hamburg fordert eine Bafög-Reform. Vor allem die Mieten sind teuer.

shz.de von
16. Juni 2018, 17:35 Uhr

Hamburg | Studieren in Hamburg? Attraktiv, aber für immer mehr junge Menschen kaum noch erschwinglich. Das ist eine wesentliche Erkenntnis der am Freitag veröffentlichten 21. Sozialerhebung zur Lebenswelt Studierender in der Hansestadt. Angesichts der zunehmenden Kluft zwischen wohlhabenden und ärmeren Studenten warnte Jürgen Allemeyer, Geschäftsführer des Studierendenwerks Hamburg, gestern vor einem „sozialen Numerus Clausus“. Nötig sei unter anderem eine Bafög-Reform mit deutlich höheren Bedarfssätzen und Freibeträgen. „Nur so kann dem Mittelstandsloch begegnet werden, bei dem Eltern zu hohe Einnahmen haben, die aber doch nicht ausreichend sind, um das Studium ihres Kindes zu finanzieren.“

Die Bafög-Sätze sind bundesweit einheitlich, ungeachtet der Lebenshaltungskosten am Ort der Uni. In Hamburg ist das Studentendasein aber besonders teuer, wie die Studie belegt, die auf Daten aus 2016 beruht. So ist die Hansestadt hierzulande die Nummer zwei bei studentischen Mieten. Im Durchschnitt müssen angehende Akademiker 374 Euro monatlich für Wohnung oder WG-Zimmer zahlen. Nur München (375 Euro) ist noch unwesentlich teurer, der Bundesdurchschnitt liegt bei 323 Euro. Auch satt werden ist an der Elbe kostspieliger als anderswo. Für Ernährung bringen Hamburger Studenten monatlich 189 Euro auf, deutlich mehr als der Bundesschnitt (168 Euro).

Zugleich sind die verfügbaren Mittel höchst unterschiedlich verteilt. Während ein Fünftel der Hamburger Studenten im Monat mehr als 1250 Euro ausgeben kann, muss einer von 16 mit weniger als 600 Euro klarkommen. Finanziers des Studiums sind zu 84 Prozent die Eltern. Dennoch arbeitet drei Viertel der Studenten nebenbei, durchschnittlich neun Stunden pro Woche, mit einem Verdienst von 431Euro im Monat. Bundesweit jobben nur 61 Prozent neben dem Lernen.

Von Chancengleichheit könne in Hamburg kaum die Rede sein, kritisierte Allemeyer. So komme nur jeder zehnte Student aus einem Haushalt mit niedrigem Bildungsniveau. Besonders erstaunlich: Dennoch ist die Zahl der Bafög-Empfänger seit 2009 um fünf Punkte auf 18 Prozent gesunken. Grund sind nach Einschätzung des Geschäftsführers nicht zuletzt die viel zu komplizierten Antragsbedingungen.

Allemeyer forderte von der Politik, die Bildungsgerechtigkeit wirksam zu verbessern. So müsse der Mietanteil am Bafög deutlich angehoben werden, der Höchstsatz der staatlichen Unterstützung generell von 735 auf rund 900 Euro im Monat steigen. Trotz allem ist das teure Studieren in Hamburg weiterhin begehrt. Fast zwei Drittel der eingeschriebenen Studierenden kommt von außerhalb.

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