Hamburg-Altona : Streit um Sternbrücke: Die Bahn will das Bauwerk abreißen

Sternbrücke in Altona

Oben die Bahn, an der Seite die Häuser, unten Clubs und Läden: Die Sternbrücke an der Stresemannstraße fügt sich in die enge Bebauung in Altona ein.

Die Brücke stammt aus den 1920er Jahren und steht unter Denkmalschutz. Die Bahn will sie durch einen Neubau ersetzen.

shz.de von
05. Februar 2018, 20:07 Uhr

Hamburg | Es gibt fraglos adrettere Bauwerke in Hamburg. Die Sternbrücke in Altona ist alt, schmuddelig, vom Verkehr umtost. Oben rauschen ICE, Fernzüge und S-Bahnen, unten donnert der Autoverkehr auf der Kreuzung Stresemannstraße/Max-Brauer-Allee. Und doch stemmen sich Denkmalfreunde gegen den geplanten Abriss des unter Denkmalschutz stehenden Bauwerks aus den 1920er Jahren – das für viele im Stadtteil mehr ist als eine Brücke. 

Die Deutsche Bahn will die fast 100 Jahre alte Querung beseitigen und durch einen Neubau ersetzen. „Die Brücke ist abgängig, eine Sanierung nicht möglich“, bestätigt Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis. Nach seinen Angaben läuft die Entwurfsplanung für einen Ersatz. Dessen Größe und Kosten hängen demnach vor allem davon ab, ob die Stadt bei der Gelegenheit die Stresemannstraße in dem Bereich verbreitert. Laut Meyer-Lovis möchte die Bahn 2020 mit dem Abriss beginnen.

Der Denkmalverein Hamburg schlägt Alarm und warnt: „Bei einem Abbruch würde nicht nur die historische Brücke samt der Brückenbauten mit den Clubs verschwinden, sondern es müssten auch mehrere der umliegenden, teils denkmalgeschützten Altbauten abgerissen werden.“ In die 1925/26 errichtete Stahl-Balkenkonstruktion sind mehrere Gebäude integriert, andere grenzen direkt an. Dazu gehören außer Lokalen und Läden auch angesagte Musikclubs wie „Astra Stube“, „Fundbureau“ und „Waagenbau“. Sie alle wären vom Abriss betroffen, sagt der Bahnsprecher: „Die Mietverträge laufen Ende 2019 aus.“ Im Neubau werde es keine Ersatzflächen geben.

Folgen hätte eine Demontage der Sternbrücke obendrein für die Bauwagensiedlung „Zomia“ auf der nahe gelegenen so genannten Brammerfläche. Die Bahn benötige das Grundstück für die Baustelleneinrichtung, so der Sprecher. Zugleich ist eine spätere Rückkehr der links-alternativen Bauwagenbewohner ausgeschlossen, weil die städtische Wohnungsgesellschaft Saga die „Brammerfläche“ gekauft hat und bebauen will. „Zomia“ kündigt Widerstand an. Der Wagenplatz werde sich weder gegen Wohnungsbau ausspielen lassen, betonen die Aktivisten, „noch dem gefräßigen Flächenanspruch einer diffusen Großbaustelle weichen.“ Die Räumung von Bauwagensiedlungen hat in Hamburg von jeher eine heikle politische Dimension.

Geht es nach dem Denkmalverein, so könnte die Sternbrücke ohne Weiteres erhalten bleiben. Beim Bau der 75 Meter langen Konstruktion sei hochfester Stahl verwendet worden, berichten die Brücken-Unterstützer und widersprechen der Bahn-Darstellung: „Die hohe Qualität des Stahls macht es sehr wahrscheinlich, dass die Brücke eigentlich noch eine lange Lebensdauer hätte.“

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