Verdi : Streik des Busbetreibers VHH – Pendler in Hamburgs Osten betroffen

Wartende Pendler: Erst um 7.30 Uhr fuhren die Busse wieder.

Wartende Pendler: Erst um 7.30 Uhr fuhren die Busse wieder.

Die dritte Verhandlungsrunde zur Angleichung der Löhne der 1700 Beschäftigten war zuvor ohne Ergebnis geblieben.

shz.de von
27. Juni 2018, 07:30 Uhr

Hamburg | Zum ersten Mal seit mindestens 15 Jahren haben in Hamburg die Busfahrer der VHH gestreikt. Laut Gewerkschaft Verdi ist die dritte Verhandlungsrunde zur Angleichung der Löhne der rund 1700 Beschäftigten der VHH bisher ohne Ergebnis geblieben. Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft rief daher am Mittwoch die Beschäftigten der Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein GmbH (VHH) in den Hamburger Betriebshöfen Bergedorf und Billbrookdeich sowie in Glinde, Geesthacht und Lauenburg zum Betriebsbeginn gegen 3.30 Uhr zum Warnstreik auf. Im Hamburger Osten kam es daher zu massiven Ausfällen im Busverkehr. Bis 7.30 Uhr fuhren von den Betriebshöfen keine Busse ab. Auch am Vormitta soll es noch zu Behinderungen kommen.

 

Aus der Verdi-Pressemitteilung: „Am 19. Juni endete die dritte Tarifverhandlung zwischen ver.di und den VHH ohne Einigung. ver.di fordert eine monatliche Tariferhöhung von 200 Euro, für Auszubildende von 100 Euro. Die Tariflaufzeit soll 12 Monate betragen. Die Arbeitgeber boten lediglich eine Tariferhöhung von 2,6 Prozent nach drei ‚Nullmonaten‘ und eine Einmalzahlung von 200 Euro an. Außerdem solle die Eingangsstufe für das Fahrpersonal um zusätzliche 56 Euro im Monat angehoben werden. Das Arbeitgeberangebot beinhaltete eine Tariflaufzeit von 18 Monaten.“

Streiken: Mitarbeiter des VHH.
Florian Büh
Streiken: Mitarbeiter des VHH.
 

„Das Arbeitgeberangebot ist völlig inakzeptabel. Es hinkt vergleichbaren Abschlüssen im Öffentlichen Dienst und bei der Hamburger Hochbahn weit hinterher“, sagt Max Leininger (60), Verhandlungsführer und Streikleiter von Verdi Hamburg. „Wir brauchen in Hamburg ein gleich hohes Einkommensniveau der Beschäftigten im Nahverkehr. Dieser erste Warnstreik verdeutlicht, dass sich die Kolleginnen und Kollegen der VHH nicht abhängen lassen.”

Iris Grube (45) Busfahrerin aus Hamburg-Lohbrügge kämpft auch für ihren eigenen Lohn: „Ich habe drei Kinder, eines ist noch im Hause. Meine 16-jährige Tochter möchte gerne ihren Realschulabschluss machen. Das sind immense Kosten, die wir dafür ausgeben müssen. Wir machen einen harten Job hier. Der soll dementsprechend entlohnt werden. Wir kämpfen dafür, gleich viel Geld wie andere Kollegen zu bekommen.“

Pendler genervt, aber mit Verständnis

Kein Bus in Sicht am Bahnhof Bergedorf.
Florian Büh
Kein Bus in Sicht am Bahnhof Bergedorf.

„Ich habe 20 Minuten gewartet, bis ich gesehen habe, dass kein Bus fährt. Hilft ja nichts. Kann ja niemand etwas ändern“, sagte der Auszubildende Tim Kudritzki dos Santos, der auf dem Weg zur Arbeit war. „Ich muss zur Arbeit zur Mundsburg. Habe keine Alternative. Keine S-Bahn, keine U-Bahn. Gar nichts“, sagt auch Malgorzata Stephanik.

„Ich bin Krankenschwester in der Intensivpflege in Hamburg. Wir machen eigentlich vor 7 Uhr die Übergabe aus der Nachtschicht. Ich muss nun dort Bescheid sagen und um Verständnis bitten“, sagte Marta Kozankalizka. „Ich werde nun versuchen mit der U-Bahn zu fahren.“

Dennoch hätten sich viele bessere Informationen gewünscht. „Die Kinder müssen zur Kita nach Bergedorf und ich dann eigentlich zu meiner Arbeit nach Schwarzenbek“, sagt Diana Blankenfeldt. „Ich bin Erzieherin. Wir haben kein Geld für ein Taxi. Wir müssen also nun warten, bis es 7 Uhr ist.“ Sie sei überhaupt nicht informiert darüber gewesen, moniert Blankenfeld. „Das finde ich echt blöd. Ich habe Verständnis für den Streik. Aber auf Kosten der anderen Arbeitnehmer – das kann ich nicht nachvollziehen.“

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