14 Verletzte in Hamburg : Straßenschlacht zwischen Kurden und Salafisten

Polizisten gehen in Hamburg gegen demonstrierende Kurden vor, nachdem diese in eine Straßenschlacht mit gewalttätigen Salafisten verwickelt waren.
Polizisten gehen in Hamburg gegen demonstrierende Kurden vor, nachdem diese in eine Straßenschlacht mit gewalttätigen Salafisten verwickelt waren.

Es begann mit einer Demonstration gegen die Terrormiliz IS. Doch dann eskaliert die Situation in Hamburg. Mehrere Menschen werden verletzt.

shz.de von
08. Oktober 2014, 07:24 Uhr

Hamburg | Bei gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen rund 800 Kurden und mutmaßlich salafistischen Muslimen sind in Hamburg 14 Menschen teilweise schwer verletzt worden. Nach Angaben der Polizei wurden in der Nacht zum Mittwoch 22 Menschen in Gewahrsam genommen, die inzwischen jedoch alle wieder auf freiem Fuß seien.

Den Krawallen bei einer Moschee im Stadtteil St. Georg vorangegangen war eine friedliche Demonstration von rund 500 Kurden in der Innenstadt, die gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) protestierten und ein Ende des „Massakers“ in der umkämpften syrisch-türkischen Grenzstadt Kobane forderten.

Eine Gruppe Kurden besetzte am Dienstagabend Gleise am Hamburger Hauptbahnhof.
Christian Charisius/dpa
Eine Gruppe Kurden besetzte am Dienstagabend Gleise am Hamburger Hauptbahnhof.

Nach Angaben der Polizei waren am Abend zunächst etwa 75 Kurden laut skandierend in Richtung der Al-Nour-Moschee gezogen, wo sie auf rund 50 mutmaßlich salafistisch geprägte Personen stießen. Binnen kurzer Zeit wuchs die Teilnehmerzahl auf beiden Seiten auf jeweils rund 400 an. Sowohl Kurden als auch die mutmaßlichen Salafisten seien unter anderem mit Metallstangen, Macheten und Messern bewaffnet gewesen.

Ein dpa-Fotograf vor Ort berichtete in der Nacht, die Polizei habe die Zufahrtstraßen zu der Moschee komplett abgesperrt. Einsatzwagen blockierten den Sichtkontakt zwischen den Gruppen. Die Lage sei „ausgesprochen gewalttätig“ gewesen. Nachdem die Polizei ein Aufeinandertreffen der Demonstranten an der Moschee zunächst verhindert habe, seien jedoch kleinere Gruppen abseits aufeinander losgegangen. „Es ist unklar, wer angefangen hat“, sagte eine Polizeisprecherin.

Polizisten gehen gegen demonstrierende Kurden vor.
Markus Scholz/dpa
Polizisten gehen gegen demonstrierende Kurden vor.

Bei den Auseinandersetzungen seien jedoch 14 Teilnehmer verletzt worden, vier von ihnen schwer. Die Lage habe auch durch den Einsatz von Wasserwerfern gegen 1.30 Uhr beruhigt werden können. Noch vor den gewalttätigen Auseinandersetzungen unweit der Moschee hatte eine Gruppe von 50 bis 60 Kurden für etwa eine Stunde mehrere Gleise am Hamburger Bahnhof besetzt und den Bahnverkehr teilweise lahmgelegt.

Der Rat der Islamischen Gemeinschaften in Hamburg, Schura, kritisierte die Gewalttaten scharf. „Ich verurteile jede Art von Gewalt“, sagte der Schura-Vorsitzende Daniel Abdin der Nachrichtenagentur dpa.Bereits am Montag hatten rund 300 Kurden unangemeldet vor dem Rathaus gegen den IS-Terror demonstriert. Für diesen Mittwochnachmittag sind weitere Proteste in Altona angekündigt.

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