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Wieder Eigentum der Stadt Hamburg : Stiftung kauft „Rote Flora“ für 820.000 Euro

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Genau 25 Jahre ist die Rote Flora von Linksautonomen besetzt. Jetzt kauft eine Stiftung Grundstück und Immobilie.

shz.de von
erstellt am 31.Okt.2014 | 17:29 Uhr

Hamburg | Ob Zufall oder gewollt - das Timing stimmt. Auf den Tag genau 25 Jahre nach der Besetzung der „Roten Flora“ gehört das umkämpfte Gebäude im Schanzenviertel ab heute wieder der Stadt Hamburg. Ein Notar besiegelte gestern den Verkauf von Haus und Grundstück an die Johann-Daniel-Lawaetz-Stiftung als Treuhänderin der Stadt. Kaufpreis: 820.000 Euro.

Die Stadt übernimmt die „Flora“ aus der Insolvenzmasse des bisherigen Eigentümers Klausmartin Kretschmer. Der selbst ernannte Kulturinvestor hatte die Immobilie 2001 auf dem Höhepunkt gewalttätiger Auseinandersetzungen zwischen Linksradikalen und der Polizei vom Senat gekauft. Preis damals: umgerechnet 190.000 Euro. Im Gegenzug verpflichtete sich der Eigner, die Besetzer im Haus zu belassen.

Nach Auslaufen dieser zehnjährigen Nutzungseinschränkung hatte Kretschmer ab 2011 versucht, das Filetgrundstück im Szeneviertel Schanze zu versilbern. Die Immobilie habe einen Wert im zweistelligen Millionenbereich, ließ Kretschmer wissen. In Gesprächen mit der Stadt rief er angeblich einen Preis von acht Millionen Euro auf. 

Die linken Nutzer der „Flora“ werden von der Hamburger Politik parteiübergreifend als Besetzer geduldet, so lange sie sich friedlich verhalten. Rund um das autonome Stadtteilzentrum kommt es gleichwohl immer wieder zu Ausschreitungen. Die Verantwortung dafür liegt laut Polizei und Verfassungsschutz indes nicht bei den Besetzern, sondern bei Sympathisanten und zugereisten Krawallmachern.

Kretschmers Absicht, das heruntergekommene ehemalige Theater für eine kommerzielle Nutzung räumen zu lassen, hatte die linke Szene seit Monaten bundesweit in Aufruhr versetzt. Bei einer Demonstration gegen die mögliche Räumung kam es im Dezember 2013 zu den schlimmsten Ausschreitungen in Hamburg seit Jahren.

Entsprechend zufrieden zeigte sich Finanzsenator Peter Tschentscher (SPD) gestern: „Die jetzige Lösung verhindert, dass die Immobilie von privaten Eigentümern für renditeorientierte, immobilienwirtschaftliche Interessen genutzt wird.“ Der angekündigte Rückerwerb der „Roten Flora“ sei nun nach einem entsprechenden Beschluss der Gläubigerversammlung umgesetzt. Der Senat hatte dem Kauf der Immobilie schon am vergangenen Dienstag zugestimmt – im Gegensatz zu einigen Gläubigern. Denen war der erlöste Preis zu gering, sie scheiterten aber mit ihren Klagen gegen den Insolvenzverwalter und die Gläubigerversammlung vor dem Amtsgericht. Gegen die gestern besiegelten Verträge sind noch Klagen vor dem Landgericht möglich.

Die Lawaetz-Stiftung betreibt im Auftrag der Stadt nicht-kommerzielle Entwicklung von Stadtteilkultur. Als neue Verwalterin des Autonomen-Zentrums wird sie die Zusammenarbeit mit den Nutzern per Vertrag regeln müssen.

Mit der Transaktion endet ein langwieriger Poker zwischen Senat und Kretschmer, bei dem sich der Immobilienkaufmann offenbar verzockt hat. Anfang des Jahres hatte die Stadt ihm für den Rückkauf noch 1,1 Millionen Euro angeboten. Als Kretschmer ablehnte, reichte die Stadt Klage ein, über die noch nicht entschieden worden ist. Eine neue Lage ergab sich, als im Frühjahr das vorläufige Insolvenzverfahren gegen den „Flora“-Besitzer eröffnet wurde.

Dieser war gestern zunächst nicht für eine Stellungnahme erreichbar. Als wahrscheinlich gilt, dass er und sein Partner Gerd Baer den Zwangsverkauf rechtlich anfechten werden. Vertreter der „Roten Flora“ lehnten eine Bewertung gestern ab. In der kommenden Woche werde das Plenum des Kulturzentrums über den Eigentümerwechsel beraten.

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