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Rückbau in Hamburg : Stellinger Moor: Eine Müllverbrennung wird zu Müll

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Hamburg reißt seine älteste Müllverbrennungsanlage ab – ein in Deutschland ziemlich einzigartiger Vorgang.

shz.de von
erstellt am 19.Feb.2017 | 17:28 Uhr

Hamburg | Manch aufmerksamem Autofahrer dürfte schon etwas schwanen, wenn er auf der A7 unterwegs ist und in Höhe Stellingen den Blick an den Rand der Autobahn schweifen lässt. Er könnte dann bemerken, dass sich der Anblick der Müllverwertungsanlage (MVA) Stellinger Moor langsam, aber sicher verändert: Der Müllofen nahe dem Volksparkstadion schrumpft, was in den nächsten Wochen auch dem letzten Beobachter ins Auge fallen dürfte, wenn der große Schlot dem Erdboden gleichgemacht wird. Hamburg reißt seine älteste Müllverbrennungsanlage ab – ein in Deutschland ziemlich einzigartiger Vorgang.

Wegen schrumpfender Abfallmengen und wachsender Recycling-Quoten braucht die Hansestadt den 1973 eingeweihten Oldie nicht mehr. Nach 42 Betriebsjahren ist der Ofen in Stellingen schon seit Mitte 2015 aus. „Hier wurden sieben Millionen Tonnen Müll verbrannt“, blickt Abriss-Projektleiter Heinz-Gerd Aschhoff von der Stadtreinigung zurück. Der Brennstoff kam nicht allein aus Hamburger Haushalten, sondern auch aus den Speckgürtelkreisen Pinneberg und Segeberg.

Seit vergangenem Herbst läuft der Rückbau. Und der ist ein kompliziertes und anspruchsvolles Unterfangen, wie die Stadtreinigung betont. Denn der große Müllvernichter soll und darf nicht einfach nur auf den Müll. Die 5000 Tonnen Stahl und die vielen anderen Materialien werden bestmöglich wiederverwertet. Dazu demontiert und sortiert die Stadtreinigung die Komponenten nun Stück für Stück. Der Großteil der Metallstoffe lässt sich ohne Weiteres recyceln. Auch der unterirdische Müllbunker bleibt erhalten, er soll Teil eines geplanten neuen Ressourcenzentrums auf dem Gelände werden.

Stück für Stück wird die Anlage zerlegt.
Stück für Stück wird die Anlage zerlegt. Foto: SSRHH
 

In 42 Jahren sind mit den Abgasen allerdings auch viele hochgiftige Stoffe durch den Schornstein gequalmt. Aschhoff: „Wir haben deshalb vor dem Rückbau alles genauestens untersucht und ein Schadstoffkataster erstellt.“ Belastetes Material werde gesondert entsorgt, es herrsche ein „Höchstmaß an Sicherheit“. Bis Ende dieses Jahres, so die Planung, soll der Abriss dauern, der etwa fünf Millionen Euro kostet. Übrigens: Auch die Jobs würden recycelt. Alle 91 Mitarbeiter aus Stellingen kämen an anderer Stelle im Unternehmen unter.

Einige Gebäude und Gebäudeteile bleiben stehen, sie werden Teil der Nachfolgeanlage. Auf dem 110.000 Quadratmeter großen Grundstück an der Autobahn soll ab 2023 das Herz der neuen „grünen“ Hamburger Fernwärmeerzeugung schlagen. Für 220 Millionen Euro baut die Stadtreinigung dort ein „Zentrum für Ressourcen und Energie“ (ZRE), in dem aus Hausmüll und Bioabfall auf verschiedene Weise Öko-Heizenergie erzeugt wird.

Das ZRE ist zentraler Bestandteil der Überlegungen zur Ersatzlösung für das Kohlekraftwerk Wedel. Dazu könnte auch ein riesiger Wärmespeicher im Erdreich unterhalb des Geländes gehören. Dort soll im Sommer heißes Wasser eingelagert und im Winter als Fernwärme genutzt werden.

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