Bundespräsident zu Besuch : Steinmeier in Hamburg: Zwischen Uns Uwe und politischer Mission

Olaf Scholz (r.) empfängt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und dessem Frau Elke Büdenbender.

Olaf Scholz (r.) empfängt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und dessem Frau Elke Büdenbender.

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22. Januar 2018, 19:14 Uhr

Hamburg | Elbphilharmonie, Hafen, Rathaus, Uwe Seeler und Schietwetter - mehr Hamburg geht an einem Tag wohl kaum. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier genoss am Montag bei seinem offiziellen Antrittsbesuch ein hanseatisches Programms par excellence. Und der Gast aus Berlin war bemüht, die zweitägige Visite an der Elbe nicht völlig von der Tagespolitik erdrücken zu lassen. „Dies ist dennoch ein Antrittsbesuch in Hamburg“, betonte Steinmeier, als ihn Journalisten wieder und wieder mit den GroKo-Wehen löcherten.

Begonnen hatte der Parforceritt am Morgen am Airport Helmut Schmidt, wo ein gut gelaunter Bundespräsident und seine Ehefrau Elke Büdenbender von Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit empfangen wurden - nicht von Bürgermeister Olaf Scholz. Der wartete hanseatischer Tradition folgend im Rathaus. Staatsgäste, so erfuhr es nun auch Steinmeier, müssen sich schon die Senatstreppe hinauf bemühen, um zum Stadtoberhaupt zu gelangen.

Die Begrüßung mit dem ehemaligen Kabinettskollegen Scholz fiel allerdings weniger staatstragend aus: Steinmeier entschied sich für einen kumpelhaften Klaps auf die Schulter und ein keckes „Na?“. Es folgte der schnelle Eintrag ins Goldene Buch, dann ein Mittagessen, das unverbrüchlich als „Senatsfrühstück“ firmiert. Allerlei Hamburger Größen waren anwesend, auch HSV-Legende Seeler, den das Protokoll direkt beim Präsidenten platziert hatte. Zu Biolachs, Kalbshüfte und Apfelvariationen „Altes Land“ sinnierten die beiden - gar nicht finster - mutmaßlich über ihre jeweiligen Sorgen um HSV und Regierungsbildung.

Auch ein Besuch bei Elphi stand auf dem Programm.
dpa

Auch ein Besuch bei Elphi stand auf dem Programm.

 

Als Präsident werde er den Parteien nicht reinreden, hatte Steinmeier schon vorher betont, aus seinem Herzen aber keine Mördergrube gemacht: „Ganz unabhängig davon spüren wir alle, dass die Menschen in Deutschland erwarten, dass mehr als vier Monate nach der Bundestagswahl wieder eine Regierung zustande kommt.“

Steinmeier als Kompass einer verunsicherten Republik - immer wieder schimmerte diese Mission durch. Bei einer Diskussion der „Zeit“-Stiftung mahnte er den Willen zu Kommunikation und Kompromiss an. Nur mittels Kompromissen lasse sich eine pluralistische Gesellschaft überhaupt leben.

Am Nachmittag suchte der Bundespräsident die Kommunikation mit Ehrenamtlern und Geschädigten der G20-Krawalle - freilich unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Den Tagesausklang widmete das Präsidentenpaar dem neuen Stolz der Stadt. In der Elbphilharmonie lauschten die Gäste einem Konzert mit Werken von Bach und Mozart.

Hamburg kompakt in zwölf Stunden - Steinmeier gefiel’s. Schon am Mittag hatte er seine Gastgeber gelobt: „Ich bin sehr dankbar für so ein höchst vielfältiges Programm.“ Am Dienstag geht es ähnlich stramm weiter: Besuch bei der Obdachlosen-Einrichtung „Herz As“, Besichtigung des Containerterminals Altenwerder, eine Einbürgerungsfeier für Neu-Hamburger. Ganz hanseatisch.

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