St.-Pauli-Legende : Stanislawski hakt Karriere als Trainer noch nicht ab

Ihr neues Arbeitsumfeld: Holger Stanislawski und der ehemalige HSV-Profi Alexander Laas (li.) im Rewe-Supermarkt zwischen Kirschen und Orangen.
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Ihr neues Arbeitsumfeld: Holger Stanislawski und der ehemalige HSV-Profi Alexander Laas (li.) im Rewe-Supermarkt zwischen Kirschen und Orangen.

Seine Arena ist ab 1. Juli ein Supermarkt in Hamburg: Holger Stanislawski nimmt mit der Leitung eines Supermarktes einen der ungewöhnlichsten Seitenwechsel im deutschen Profifußball vor. Daran, den Trainerjob endgültig an den Nagel zu hängen, denkt er nicht.

shz.de von
27. Juni 2014, 14:21 Uhr

Hamburg | Einen Kittel trug er nicht. Noch nicht. Doch auch so war Holger Stanislawski am Freitag schon ganz der kommende Supermarktleiter. „Natürlich werde ich täglich vor Ort sein, um alles kennen zu lernen“, sagte der Fußballbundesligatrainer bei seiner Präsentation als kommender Inhaber des Marktes an der Dorotheenstraße. Wie berichtet, übernimmt der 44-Jährige das Rewe-Center als selbstständiger Kaufmann zum 1. Juli, gemeinsam mit dem ehemaligen HSV-Profi Alexander Laas.

Es ist einer der ungewöhnlichsten Seitenwechsel im deutschen Profifußball. Warum tauscht einer den grünen Rasen gegen einen Supermarkt? „Ich bin 21 Jahre im Fußballgeschäft. Da gibt es die Überlegung, auch noch etwas anderes zu tun“, antwortete der ehemalige Coach des FC St. Pauli, der TSG 1899 Hoffenheim und des 1. FC Köln gestern vor Dutzenden Journalisten. Seit er am Rhein im Mai 2013 den Bundesligaaufstieg verpasste, saß Stani nur noch auf der Tribüne. Jener Mann, der bei Pauli erst als beinharter Innenverteidiger, dann als Bundesliga-Aufstiegstrainer Kultstatus genießt wie wenige. Kürzlich sagte Stanislawski einen Trainerjob bei Erstligaabsteiger 1. FC Nürnberg ab, wies auch andere Anfragen zurück. Einstweilen wolle er sich auf den Einstieg bei Rewe konzentrieren.

Also auf ewig nur Obstauslagen, Weinabteilung und Kassenschlangen statt Toren, Punkten, Emotionen? Stanislawski widersprach gut gelaunt: „Wenn der FC Barcelona einen Trainer sucht, um wieder spanischer Meister zu werden, dann wäre ich auch in der Lage, das zu werden.“ Und ernsthafter: „Ich habe den Profi-Fußball nicht gänzlich abgehakt.“ Ein Trainerengagement würde sich mit dem Dasein als Supermarkt-Eigner durchaus vereinbaren lassen.

Bis dahin ist aber das Rewe-Center seine Arena. Kommende Woche beginnt das Training auf die neue Tätigkeit, drei Monate werden Stani und Kompagnon Laas sich in sämtliche Abläufe einarbeiten. Ab Oktober wird das Center für zwei Millionen Euro umgebaut, anschließend wird es für das neue Führungsduo ernst.

Rewe an der Dorotheenstraße gehört zu den größten Häusern der Kette in Norddeutschland. Vor dem Supermarkt befindet sich eine Ladenzeile mit Reisebüro, Futterhaus und Bäckerei. Drinnen ist viel Platz für alles, was das Kundenherz an Alltäglichem begehren mag. Das Gebäude mit der auffallend hohen Decke diente einst als Straßenbahn- und Busdepot.

Stanislawskis neues Publikum ist überwiegend gediegen, der Supermarkt liegt im gutbürgerlichen Winterhude: Straßenzüge mit Gründerzeitvillen, die Alster ist nicht weit. Im Laden besteht Stanis Elf nun aus mehr als 100 Mitarbeitern. Auf die müsse und werde er vertrauen. Der Nachwuchs-Supermarktchef: „Ich muss keine 1000 Käsesorten kennen. Dafür habe ich mein Team.“ Beim Fußball schießt schließlich auch der Trainer nicht die Tore.

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