Fall „Yagmur“ : Staatsanwaltschaft stellt Verfahren gegen Jugendamtsmitarbeiter ein

Ein Herz ist in Hamburg auf dem Öjendorfer Friedhof am Grab der getöteten dreijährigen Yagmur zu sehen.
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Ein Herz ist in Hamburg auf dem Öjendorfer Friedhof am Grab der getöteten dreijährigen Yagmur zu sehen.

Am 18. Dezember 2013 starb Yagmur nach schweren Misshandlungen. Die Staatsanwaltschaft stellt die Ermittlungen gegen das Jugendamt ein.

shz.de von
21. Juli 2015, 11:37 Uhr

Hamburg | Die Staatsanwaltschaft in Hamburg hat das Ermittlungsverfahren gegen Mitarbeiter der Hamburger Jugendämter mangels hinreichenden Tatverdachts eingestellt. Das geht aus einer Verfügung vom 21. Juli hervor. Demnach sei den mit der Betreuung der Familie der dreijährigen Yagmur befassten Mitarbeiter eine Strafbarkeit nicht nachzuweisen. 

Yagmur war am 18. Dezember 2013 mutmaßlich durch massive körperliche Misshandlungen ihrer Mutter getötet worden, während der Vater seine Tochter trotz Wissens um die Misshandlungen nicht hiervorgeschützt hatte. Das Landgericht Hamburg hatte die Mutter des Kindes am 25. November 2014 wegen Mordes in Tateinheit mit Misshandlung Schutzbefohlener zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Das Urteil ist aufgrund der Revision der Angeklagten nicht rechtskräftig. Die durch das Landgericht gegen den Vater des Mädchens wegen Körperverletzung mit Todesfolge in Tateinheit mit Misshandlung Schutzbefohlener verhängte Freiheitstrafe von vier Jahren und sechs Monaten ist rechtskräftig.

Die Auswertung und rechtliche Prüfung des umfangreichen Aktenmaterials habe zwar ergeben, dass zwei Jugendamtsmitarbeitern objektive Sorgfaltspflichtverletzungen bei der Einschätzung der Gefährdungslage für Yagmur vorzuwerfen sind. Weitere Voraussetzung strafbaren fahrlässigen Unterlassens sei jedoch unter anderem, dass ein pflichtgemäßes Handeln der Jugendamtsmitarbeiter die Verletzungen und den Tod Yagmurs verhindert hätte, heißt es in der Pressemittelung. Dies konnte nicht hinreichend sicher festgestellt werden.

Und weiter: Weil frühere, zum Teil schwere Verletzungen Yagmurs durch die Eltern damals nicht sicher nachgewiesen werden konnten, wäre eine Rückkehr Yagmurs zu ihren Eltern bis zum Herbst/Winter 2013 nach einer fehlerhaften Gefährdungseinschätzung Anfang Mai 2013 auch bei Unterstellung pflichtgemäßen Handelns möglich gewesen.

Hinsichtlich einer im November 2013 unterlassenen erneuten Einschätzung des Gefährdungsrisikos für das Kind kann ebenfalls nicht angenommen werden, dass der Tod von Yagmur durch die in Betracht gekommenen Maßnahmen des Jugendamtes oder des Familiengerichtes sicher verhindert worden wäre. Yagmur wäre möglicherweise auch bei pflichtgemäßem Verhalten der Jugendamtsmitarbeiter im Haushalt der Eltern misshandelt und getötet worden.

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