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Fall Yagmur : Staatsanwaltschaft sieht keine Versäumnisse

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Yagmur starb aufgrund von Misshandlungen ihrer Mutter. Die Staatsanwaltschaft hatte schon ein Jahr vorher ermittelt. Im Untersuchungsausschuss wurden Versäumnisse nun zurückgewiesen.

shz.de von
erstellt am 24.Apr.2014 | 19:22 Uhr

Hamburg | Die kleine Yagmur hatte zwei lebensgefährliche Verletzungen, ihre Eltern waren unter anderem wegen Körperverletzung vorverurteilt – dennoch stellte die Staatsanwaltschaft das Verfahren gegen sie ein, nachdem das Mädchen mit schweren Hirn- und Bauchverletzungen operiert werden musste. Die damals Zweijährige musste zurück zu ihren leiblichen Eltern. Dort starb sie im vergangenen Dezember an inneren Blutungen. Ihre Mutter ist inzwischen angeklagt, das Mädchen totgeprügelt zu haben.

„Rückblickend wüsste ich nicht, was ich hätte anders machen können“, so Staatsanwältin Christiane Wüllner gestern vor dem Parlamentarischen Untersuchungsausschuss der Bürgerschaft. Die 54-Jährige hatte damals gegen Yagmurs Eltern ermittelt. „Der Verdacht gegen die Eltern bestand auch nach der Einstellung des Verfahrens weiter – wir konnten nur nicht beweisen, dass die Eltern das Kind so verletzt hatten“, so Wüllner. Dem Jugendamt, das den Fall Yagmur nach Einstellung des Verfahrens weiter betreute, habe sie dies in einem Vermerk auch mitgeteilt. Gehandelt habe dies daraufhin aber nicht.

Immer wieder verwies sie bei der gestrigen Befragung vor dem Untersuchungsausschuss auf die Verantwortung des Jugendamtes. „Meine Aufgabe als Staatsanwältin ist es, Straftaten in der Vergangenheit zu ermitteln. Zu entscheiden, wo das Kind in Gefahr ist und wo es am besten Leben sollte, ist ureigene Aufgabe des Jugendamtes.“ Juristisch hätte sie die Rückführung nicht verhindert werden können. Wüllner kritisierte die mangelnde Kooperation mit dem Eimsbütteler Jugendamt. Es sei nicht möglich gewesen, nähere Informationen aus der Akte Yagmur zu erhalten.

Der Rechtsmediziner Klaus Püschel und seine Kollegin Dragana Seifert hatten Anzeige erstattet, nachdem die Dreijährige Ende Januar 2013 wegen lebensgefährlicher Verletzungen im Altonaer Krankenhaus behandelt werden musste. Püschels Vermutungen, Jugendamt und Staatsanwaltschaft hätten sein medizinisches Gutachten und die Dringlichkeit des Falls nicht richtig eingeschätzt, widersprach Staatsanwältin Wüllner vehement. „Ich habe in meinen 22 Jahren als Staatsanwältin schon viele solcher Gutachten gelesen und den Fall sehr ernst genommen.“ Das Gutachten sei sehr klar verständlich gewesen.

Für Unverständnis im Ausschuss sorgte, dass die leibliche Mutter trotz zweimaliger polizeilicher Ladung nicht erschienen und somit nie zu den Verletzungen ihrer Tochter befragt worden war. „Die Beschuldigung bleibt weiter im Raum und juristisch tut man dann nichts?“ zeigte sich Grünen-Obfrau Christiane Blömeke verständnislos. Sie habe keine Hoffnung gehabt, rechtfertigte sich die Staatsanwältin. „Heute ist das alles sonnenklar – aber damals eben nicht.“

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