Hamburg : Staatsanwalt fordert vier Jahre Haft für mutmaßlichen IS-Rückkehrer

Der 29-jährige Tschetschene aus Bremen soll zur Kampfreserve des IS in Syrien gehört haben.

shz.de von
06. August 2018, 19:41 Uhr

Hamburg | Im Prozess gegen einen mutmaßlichen Ex-Kämpfer des Islamischen Staates vor dem Oberlandesgericht Hamburg hat der Staatsanwalt eine vierjährige Haftstrafe für den Angeklagten gefordert. Der 29-jährige Tschetschene aus Bremen habe zur Kampfreserve des IS in Syrien gehört, sagte der Anklagevertreter am Montag.

Beschlagnahmte Fotos und Videos belegten, dass er sich der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung im Ausland schuldig gemacht habe. Der Angeklagte hatte die Vorwürfe bestritten, doch der Staatsanwalt hält die Aussagen für widerlegt.

Viele Probleme in Deutschland

Vor seiner Reise nach Syrien im April 2014 seien dem jungen Mann in Bremen die Probleme über den Kopf gewachsen. Er habe als Flüchtling mit Frau und Tochter von Sozialhilfe gelebt. Das Geld der Familie habe er für Drogen und in Spielhallen ausgegeben, erklärte der Staatsanwalt. Der Angeklagte sei dem Salafismus zugeneigt gewesen, sei aber kein überzeugter Anhänger dieser strengen Glaubensrichtung des Islams gewesen. Beim IS habe er eine Waffenausbildung und eine Kalaschnikow bekommen.

Rückkehr nach Schussverletzung

Seine Kampfgruppe aus Kaukasiern habe an den Kämpfen um die kurdische Stadt Kobane teilgenommen. Nach einer Schussverletzung am Bein habe er sich entschlossen, Anfang 2015 nach Deutschland zurückzukehren.

In seine Strafforderung bezog der Staatsanwalt nach Angaben der Gerichtspressestelle auch zwei frühere Verurteilungen des Amtsgerichts Bremen wegen anderer Delikte ein. Am kommenden Montag (13. August) sollen die beiden Verteidiger ihre Plädoyers halten, das Urteil wird voraussichtlich bei einem weiteren Termin verkündet werden.

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