zur Navigation springen

Wahl in Hamburg : SPD verliert in Hamburgs Bezirken massiv

vom

Der Sieger ist der Verlierer – und auch der Zweiplatzierte bläst Trübsal: Hamburgs SPD hat zwar die Bezirkswahlen gewonnen, dabei aber herbe Verluste hinnehmen müssen.

shz.de von
erstellt am 26.Mai.2014 | 20:23 Uhr

Hamburg | Die Sozialdemokarten von Bürgermeister Olaf Scholz verloren stadtweit knapp zehn Prozentpunkte und kamen beim Wahlgang von Sonntag nur noch auf durchschnittlich 35,7 Prozent. 2011 hatten die Hamburger ihre kommunalen Parlamente allerdings noch parallel zur Bürgerschaftswahl bestimmt, nun gab es erstmals eine echte Kommunalwahl an der Elbe. Die sieben Bezirksversammlungen wurden zeitgleich mit der Europawahl bestimmt. Weil deren Auszählung am Sonntag Priorität hatte, lagen die Bezirksergebnisse erst gestern Abend vor.

SPD-Fraktionschef Andreas Dressel reagierte trotzig auf die schmerzlichen Einbußen: „Die SPD ist und bleibt die Hamburg-Partei.“ Die Verluste seiner Partei führte er in erster Linie auf die mäßige Wahllust der Hanseaten zurück, von denen lediglich 41 Prozent ihre Kreuzchen machten (2011: 54 Prozent). Dressel: „Die dramatisch gesunkene Wahlbeteiligung spiegelt sich leider in unseren Ergebnissen wider. Dass wir die Ergebnisse von 2011 angesichts dieser Rahmenbedingungen nicht erreichen konnten, damit haben wir gerechnet.“

In Wahrheit hatten die erfolgsverwöhnten Genossen mit einem Ergebnis jenseits der 40 Prozent geliebäugelt. Den Testlauf für die Bürgerschaftswahl in neun Monaten müssen sie nun als Rückschlag auf dem Weg zur erneuten absoluten Mehrheit im Landesparlament verbuchen.

Dennoch kam auch bei der CDU keine Freude auf. Aus dem Einbruch der Scholz-Partei konnten sie kaum Honig saugen. Die Christdemokraten legten stadtweit um nur 1,3 Punkte zu, verharren aber knapp unter 25 Prozent. Dennoch verwies CDU-Bürgerschaftsfraktionschef Dietrich Wersich lieber auf die „erdrutschartigen Verluste“ der SPD und erkannte darin eine Quittung für deren „Vernachlässigung der Bezirke“. Von der absoluten Mehrheit bei der Bürgerschaftswahl 2015 seien die Sozialdemokraten nun „meilenweit“ entfernt, fand Wersich, der im Juni zum Bürgermeisterkandidaten der Hanse-CDU gekürt werden soll.

Wahre Nutznießer der SPD-Schwäche waren die kleineren Parteien, am bemerkenswertesten die Alternative für Deutschland (AfD). Die Euro-Kritiker kamen stadtweit auf 4,6 Prozent und schafften erstmals den Sprung in die Bezirksparlamente – und zwar gleich in alle sieben, für die allerdings lediglich eine Sperrklausel von drei Prozent gilt. Am erfolgreichsten schnitt die AfD in Harburg ab, wo sie es auf sechs Prozent brachte.

Deutlich zugelegt haben auch die Grünen, stadtweit liegt ihr Plus bei um rund vier Prozent. In Eimsbüttel schaffte es die Öko-Partei mit 23,1 Prozent sogar, die CDU als Nummer zwei zu verdrängen. Grünen-Landeschefin Katharina Fegebank: „Diese immense Zustimmung haut uns regelrecht um. Hamburg sieht nicht mehr ganz so rot.“

Tristesse herrschte dagegen bei den Elbliberalen. Die FDP sackte von 5,5 auf 3,7 Prozent ab, riss in Bergedorf und in Mitte sogar die Drei-Prozent-Hürde. Zu den klaren Gewinnern zählen dagegen die Linken, die durchweg zulegten und in Mitte sowie in Altona mit je rund 14 Prozent in Reichweite von CDU und Grünen landeten. 

Trotz des schwachen Gesamtergebnisses bleiben die Sozialdemokraten in den allen Bezirksversammlungen stärkste Fraktion, kommen jedoch nirgends ohne Bündnispartner aus. Der Verlauf dieser Verhandlungen dürften einen deutlichen Fingerzeig auf mögliche Koalitionsverhandlungen nach der Bürgerschaftswahl geben.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen