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Hamburg : Sozialbehörde will „Schwer-in-Ordnung-Ausweis“ ausstellen

vom

Ein Junge folgt dem Beispiel der Pinnebergerin Hannah Ylva: Er habe einen entsprechenden Antrag beim Hamburger Versorgungsamt gestellt, sagte die Senatorin Melanie Leonhard.

shz.de von
erstellt am 15.Nov.2017 | 13:20 Uhr

Hamburg | Eine Pinneberger Schülerin mit Down-Syndrom hat den Anstoß gegeben, nun will auch ein behinderter Junge einen „Schwer-in-Ordnung-Ausweis“ haben. Er habe einen entsprechenden Antrag beim Hamburger Versorgungsamt gestellt, berichtete Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD) am Dienstagabend bei NDR 90,3. Die Pinneberger Schülerin Hannah Ylva hatte ihren Schwerbehindertenausweis in einen „Schwer-in-Ordnung-Ausweis“ umgewidmet und dafür vor allem in sozialen Netzwerken viel Zuspruch erhalten.

Sie wolle dem Antrag des Jungen stattgeben, sagte Leonhard dem Radiosender. „Das zeigt deutlich: Menschen mit Behinderung empfinden sich als ganz normale Menschen, als Teil dieser Gesellschaft, und sie haben keine Lust von Dritten immer als eine bestimmte Gruppe klassifiziert zu werden.“ Der offizielle Schwerbehindertenausweis wird nach Angaben der Behörde aber weiterhin benötigt. Dennoch wolle die Verwaltung unbürokratisch auf die „herzerweichende Geschichte“ reagieren, sagte ein Sprecher. Wie das Begleitdokument gestaltet werden soll, sei noch offen, berichtete die Senatorin. Den geänderten Namen werde er auf jeden Fall tragen.

Die Schülerin hatte in der Herbstausgabe des Magazins „Kids Aktuell“ des gemeinnützigen Hamburger Vereins „Kids Hamburg - Kontakt- und Informationszentrum Down-Syndrom“ ihren Wunsch kundgetan. Sie fände das Schwerbehindertenausweis nicht der richtige Name für ihren Ausweis sei. Sie stellte sich vor, wie sie ihr selbstgestaltetes Dokument stolz dem Busfahrer und ihren Eltern zeigt.

Das Gedicht

Schwer-in-Ordnung-Ausweis

von Hannah

„Ich möchte das mein Ausweis umbenannt wird.
Ich möchte, dass er Schwer in Ordnung Ausweis heißt.
Ich finde Schwerbehindertenausweis ist nicht der richtige Name für meinen Ausweis.
Ich möchte lieber das der Schwer in Ordnung Ausweis genannt wird.
Ich stelle mir vor:
Ich hab mir einen Schwer in Ordnung Ausweis gekauft und jetzt stehe ich in Pinneberg an der Bushaltestelle und freue mich. Der Bus kommt, ich steige ein und zeige stolz meinen neuen Ausweis vor.
Ich fahre von Pinneberg nach Hause zurück. Es ist Winter und mir ist kalt.
Zu Hause angekommen staunen Mama (Inge) und Papa (Kai) nicht schlecht, als ich plötzlich mit meinem Schwer in Ordnung Ausweis vor ihnen stehe. Sie fragen verblüfft: „Was ist das denn?“
Ich sage stolz: „Mein neuer Schwer in Ordnung Ausweis! Guckt euch den mal an!“

Beide im Chor: „Wow, cooles Teil!“ Ich sag: „Ja, nicht?“
Dann gibt es Abendbrot, dann geht es ins Bett. Ich höre noch Lied 16 von der Band RADAU. Dann schlafe ich ein.
Am nächsten Tag ist zuerst Schule. Am Nachmittag gehe ich mit Nele, Milena, Valentina, Marianne, Sarah, Rajah und Amelie Eis essen zu Eisart. Am Abend kommen alle zu mir und übernachten. Wir essen Abendbrot, gehen ins Bett und hören wieder Lied 16 von RADAU und schlafen ein.”

 

Quelle: KIDS Aktuell / Nr. 36 – Herbst 2017, S. 16-17

Die Familie war von den Reaktionen in den Medien und sozialen Netzwerken „völlig überrumpelt“, wie ihre Mutter dem „Pinneberger Tageblatt“ sagte. „Für die Sache ist es aber etwas Gutes.“ Teilnahme und Inklusion seien wichtig. Nach den Worten der Mutter war das Mädchen angesichts der Reaktionen zunächst „total verunsichert“ bevor sich ihre Freude durchsetzte.

Das Magazin hat nach Angaben der Vereins-Geschäftsführerin Regine Sahling eine Auflage von rund 4000 Exemplaren und wird halbjährlich vor allem in Norddeutschland in Arztpraxen, Kitas, Schulen und bei Therapeuten kostenfrei ausgelegt. Der vor 18 Jahren gegründete Verein hat rund 400 Mitglieder. Er leistet unter anderem Beratung vor und nach der Geburt, Kinder-, Jugend- und Bildungsarbeit.

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