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Messe in Hamburg : SMM: Schiffbauindustrie zwischen Rekord und Rezession

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Die weltweiten Aufträge für Schiffsneubauten erreichen Topniveau. Aber das Spitzentreffen der Branche bei der SMM in Hamburg steht unter dem Eindruck der globalen Schifffahrtskrise.

shz.de von
erstellt am 08.Sep.2014 | 19:44 Uhr

Hamburg | Wären die Aussichten der maritimen Wirtschaft doch auch so glänzend wie all die polierten Schiffspropeller und nagelneuen Motoren, die es seit Montag bis zum 12. September in den Hamburger Messehallen zu bestaunen gibt. Doch die Schiffbaubranche präsentiert sich bei ihrer weltweiten Leitmesse SMM (Shipbuilding, Machinery & Marine Technology) zwischen Hoffen und Bangen, zwischen Rekord und Rezession.

Nicht nur der erwartete Andrang von mehr als 50.000 Fachbesuchern bedeutet eine Bestmarke, erstaunlicherweise erreichen auch die weltweiten Schiffsneubauaufträge Topniveau. Dennoch steht das Spitzentreffen der Branche erneut unter dem Eindruck der schon sechsjährigen globalen Schifffahrtskrise. Vor Messebeginn heißt es vielfach aus den Unternehmen, die Talsohle sei erreicht – doch wie kräftig und nachhaltig der ersehnte Aufschwung ausfällt, mag niemand prognostizieren.

Wie sehr auch negative Rahmenbedingungen eine Industrie auf Trab bringen, zeigt ein Blick in die Hallen am Fernsehturm. Seit Monaten sind die 90.000 Quadratmeter SMM-Ausstellungsfläche ausgebucht, nie war die Nachfrage größer. Die Branche ist in Bewegung, weil sie sich bewegen muss. Überkapazitäten, horrend gestiegene Treibstoffkosten und immer strengere Umweltauflagen wirken als Konjunkturprogramm für Entwickler und Hersteller maritimen Geräts.

Tatsächlich sind die Auftragsbücher der Werften gefüllt wie selten. Im vergangenen Jahr wurden weltweit Schiffe mit einer Tragfähigkeit von knapp 169 Millionen Tonnen bestellt, berichtete das Institut Clarkson Research – das dritthöchste Ordervolumen aller Zeiten. Indes kommt dies fast ausschließlich den Schiffbauern in Fernost zugute. China, Südkorea und Japan beherrschen 80 Prozent des Neubaumarktes; Deutschlands Werften steuern nicht einmal mehr ein Prozent bei.

„Die Lage am Markt bleibt schwierig und schwankt stark. Die Rezession zieht sich hin“, sagte Clarkson-Direktor Martin Stopford. Reeder verdienten mit dem Transport per Schiff derzeit nur halb so viel wie vor der Krise. So kurios es klingt, doch gerade die drückenden Belastungen forcieren den Auftragsboom. Wer noch Kapital oder einen Investoren in der Hinterhand hat, bestellt umweltfreundliche und sparsamere Schiffe. Zudem haben die Werften in Fernost die Preise gesenkt, um ihre Auslastung zu sichern.

Die deutschen Unternehmen haben derweil ihre Nischen gefunden, sie setzen vor allem auf Spezialschiffbau und Zubehör für die Offshore-Windindustrie. Oft mit großem Erfolg. Diese Ausrichtung trage dazu bei, „die Innovationsstärke der Werften auszubauen“, sagte der Maritime Koordinator der Bundesregierung, Uwe Beckmeyer. Er versprach, der Bund wolle die maritime Industrie als Hochtechnologiebranche erhalten und fördern. Beckmeyer verwies auf den Nationalen Masterplan Maritime Technologien: „Wir wollen Strategien für Zukunftsfelder entwickeln. Zu den wichtigen Märkten zählen: Offshore Öl und Gas; Offshore-Windenergie; maritime Sicherheit; Unterwassertechnik sowie Eis- und Polartechnik.“

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