Schumachers in Hamburg : Skurriler Streit: Stadtpark-Wirt besetzt seinen eigenen Biergarten

Beliebtes Ziel: Der Stadtpark-Biergarten.
Foto:
Beliebtes Ziel: Der Stadtpark-Biergarten.

Die Stadt Hamburg kündigt dem Betreiber von „Schumachers Biergarten“ im Stadtpark, doch der will nicht weichen.

von
31. März 2017, 18:31 Uhr

Hamburg | Um einen der beliebtesten Biergärten in Hamburg tobt ein skurriler Streit. Die städtische Bäderland GmbH hat Pächter Thorsten K. den Vertrag für dessen Lokal am Stadtparksee schon vor Monaten gekündigt - doch der Wirt weigert sich zu gehen und bedient Gäste weiterhin so, als sei nichts gewesen.

Es ist eine Art Besetzung der eigenen Gaststätte, wie es sie in Hamburg so vermutlich noch nicht gegeben hat. Der Streit liegt inzwischen vor Gericht, das am 11. April über die Rechtmäßigkeit der Räumungsklage urteilen will.

Die Kündigung für „Schumachers Biergarten“ sollte zum Ende 2016 wirksam werden. Doch zur allgemeinen Überraschung öffnete K. das Lokal am Freibad nach der Winterpause wieder. Seither ist Business as usual am Stadtparksee, wenn auch nur vordergründig. Denn hinter den Kulissen kämpft der Wirt um seine Existenz, der Vermieter um das Recht, über die eigene Immobilien verfügen zu können.

Vorausgegangen war ein Zerwürfnis um eine Mieterhöhung für den Biergarten, der sich wegen seiner Lage und rustikalen Schlichtheit an warmen Tagen großer Beliebtheit erfreut. 20 statt bisher 18 Prozent vom Umsatz sollte K. fortan an das städtische Unternehmen zahlen. Er klagt: „Das ist Wucher.“ Bäderland-Sprecher Michael Dietel hält dagegen. Die Pachterhöhung sei nicht nur als Staffelmiete vertraglich vereinbart worden, die Größenordnung sei auch „marktüblich“. Bäderland sprach eine fristgerechte Kündigung aus und sucht nach einem neuen Betreiber.

Noch-Wirt K., der das „Schumachers“ seit 1998 führt, mag sich nicht in sein Schicksal ergeben – und versucht es mit Angriff. Auf seiner Facebook-Seite wirft er Bäderland „sittenwidriges Verhalten“ vor. Der städtische Schwimmbadbetreiber lasse die historischen Gebäude verfallen, die den Biergarten beherbergen. Das führe zu Umsatzeinbußen. Den Sanierungsstau beziffert K. auf 200.000 Euro. Zuletzt drohte er mit einem Bürgerbegehren zur Privatisierung des Freibadgeländes, womit Bäderland als Eigentümer aus dem Spiel wäre.

Das Unternehmen will sich wegen des schwebenden Verfahrens zu Details nicht mehr äußern. Thorsten K. jedenfalls gibt nicht klein bei, auch wenn sein Kampf rechtlich aussichtslos erscheinen mag. Er hofft nun auf die Weisheit Justitias: „Nun sollen die Anwälte und Richter entscheiden.“

zur Startseite

Kommentare

Leserkommentare anzeigen