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Finale im DHB-Pokal : SG Flensburg-Handewitt trifft auf Füchse Berlin

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Zum vierten Mal in Folge hat die SG Flensburg-Handewitt das Endspiel im Final4-Turnier um den deutschen Handball-Pokal erreicht. Die Mannschaft von Trainer Ljubomir Vranjes setzte sich am Samstagnachmittag unerwartet souverän mit 30:26 (16:12) gegen die Rhein-Neckar Löwen durch.

shz.de von
erstellt am 12.Apr.2014 | 19:30 Uhr

Hamburg | Möwe frisst Löwe: Während das Flensburger Maskottchen „Sigi“ Jubeltänze aufführte, war das Mannheimer Pendant „Conny“ am Boden zerstört. Die SG Flensburg-Handewitt hatte die Kräfteverhältnisse dieser Handball-Saison umgekehrt und die Rhein-Neckar Löwen nach zwei Punktspielniederlagen mit einer Demonstration der spielerischen Überlegenheit besiegt. Auf den Punkt topfit und taktisch perfekt eingestellt ließ der Vizemeister dem aktuellen Tabellenzweiten keine Chance. „Meine Spieler waren so heiß, wie ich sie haben möchte. Das war ganz viel Emotion, Herz und Leidenschaft“, sagte Trainer Ljubomir Vranjes nach dem 30:26 im ersten Halbfinale des Final4. Im Endspiel trifft der Pokalsieger der Jahre 2003 bis 2005 am Sonntagnachmittag um 15 Uhr auf die Füchse Berlin, die MT Melsungen mit 30:28 schlugen. Die Füchse stehen damit erstmals im Finale.

Die Flensburger konnten aus der Spielpause vor dem Final4 mehr Honig saugen als die Löwen. Der akribische Analytiker Vranjes hatte die verlorenen Bundesligaspiele seziert und das Rezept entwickelt, wie die Mannheimer in ihrer bislang besten Saison zu bezwingen sind.  „Unser Spiel braucht Zeit“, sagte der Schwede, „es war schon ein Vorteil, dass ich alle Spieler eine Woche lang zu Hause hatte.“ Da war auch Zeit, besondere Maßnahmen einzustudieren: Erstmals agierte  Jim Gottfridsson im Unterzahl-Angriff als zusätzlicher Feldspieler mit Torwartleibchen, während Mattias Andersson kurz zur Bank eilte. „Wir haben in zwei Spielen gegen die Löwen kein Tor in Unterzahl gemacht, deswegen haben wir das ausprobiert“, sagte Vranjes. Noch wichtiger war allerdings, dass es den Flensburger mit kleinen Detailänderungen gelang, die gefürchtete Achse zwischen Andy Schmid und Bjarte Myrhol zu knacken. Der RNL-Spielmacher blieb ohne Feldtor, der Kreisläufer kam gerade einmal zum Zug.

Das 1:0 nach dem ersten Angriff blieb die einzige Führung der Mannheimer in diesem Halbfinale, das 1:1 (3.) der einzige Gleichstand. Danach führte nur noch die SG. Holger Glandorf, der am 5. Februar bei der Heimniederlage gegen die Löwen einen schwarzen Tag erwischt hatte, machte diesmal alles besser – als Torschütze und als Anspieler für Rechtsaußen Lasse Svan. „Rechts mit einem Shooter und auf der anderen Seite immer Druck machen“, brachte Vranjes seinen Angriffsplan auf den Punkt. Auch beim jungen Spielmacher Jim Gottfridsson und beim Halblinken Thomas Mogensen griff ein Rädchen ins andere. „Wir haben das Spiel gut in die Breite gezogen und uns nicht in der Mitte festgerannt“, machte Michael Knudsen eine Verbesserung gegenüber den Liga-Niederlagen aus. Schon nach elf Minuten hatte die SG mit 6:2 den Abstand herausgearbeitet, der auch am Ende Bestand haben sollte.

Einen Unterschied machten auch die Torhüterleistungen. Mattias Andersson verzichtete diesmal auf den oft gesehenen Steigerungslauf und war von Beginn an heiß wie das berühmte Frittenfett. Eine Parade gegen den freien Gensheimer, das Einschalten in den Tempogegenstoß mit Assist für Anders Eggert waren frühe Signale, dass auf den Schweden Verlass ist. Die Mannheimer Landin und Stojanovic kamen da nicht mit.

Die SG behielt jederzeit die Kontrolle über das Geschehen. „Wir sind völlig konzentriert geblieben. Wir wussten ja, dass die Löwen jederzeit ganz schnell zurückkommen können“, nannte Lasse Svan eine weitere entscheidende Qualität der Flensburger. Jeder Ansatz einer Aufholjagd wurde im Keim erstickt. Als die Mannheimer von 14:20 auf 18:21 (44.) verkürzten, antwortete die SG im Gegenzug mit einem spektakulären Kempa-Tor, das Svan und Schütze Eggert inszenierten – das hatte schon einen Hauch von Frechheit. Der Rest des Spiel geriet beinahe zum Schaulaufen ins insgesamt zehnte Pokalfinale für die SG.

Löwen-Manager Thorsten Storm („wir sind mal dran mit dem Pokalsieg“) war nach dem K.o. schwer angefressen und kritisierte die Schiedsrichter Immel/Klein: „Die waren heute so gut wie wir in der Chancenverwertung. Leider hatten sie das Spiel nicht im Griff. Man muss auch mal Zeitspiel pfeifen, wenn man es ständig anzeigt.“ So sei habe sich das Spiel entwickelt, dass der SG liege: „Hauruck und drauf.“ Man kann die Sache auch anders sehen. Es war möglich, sich auf die gewiss nicht fehlerfreien Referees einzustellen. Die Flensburger entwickelten gestern das perfekte Gespür für die Grenzen des Zeitspiels. Immerhin gestand Storm ein, dass die SG verdient gewann und er fand auch noch einen positiven Aspekt: „Wir gewinnen einen Tag zur Vorbereitung auf das Spiel gegen Kiel.“ Am Mittwoch steigt in Mannheim die möglicherweise entscheidende Partie in der Meisterschaft.

Die Flensburger verließen gestern flugs noch vor dem zweiten Halbfinale die O2-World, um sich im Hotel zu regenerieren. „Das war schön heute, aber nun wartet eine neue Herausforderung“, sagte Svan. 

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