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Windkraftanlagenhersteller : Senvion mit 103 Millionen Gewinn vor Steuern – sinkender Umsatz

vom

720 Stellen werden abgebaut. Für die Situation in der Branche sei die Politik mitverantwortlich, heißt es vom Konzern.

shz.de von
erstellt am 10.Nov.2017 | 13:29 Uhr

Hamburg | Der Windkraftanlagenhersteller Senvion hat in den ersten neun Monaten dieses Jahres 103 Millionen Euro Gewinn vor Steuern gemacht. „Senvion hat in einem sehr schwierigen Industrieumfeld Kurs gehalten und bleibt stabil“, sagte Unternehmenssprecher Immo von Fallois am Freitag in Hamburg bei der Präsentation der Zahlen fürs dritte Quartal 2017. Die EBITDA-Marge habe mit 7,9 Prozent den Erwartungen entsprochen.

Der Umsatz sank um 10 Prozent auf 1,309 Milliarden Euro. Das Personal wurde konzernweit von 4500 auf etwa 4400 abgebaut. In Deutschland baut Senvion seit diesem Jahr bis Mitte 2018 insgesamt 720 Stellen ab. Es verbleiben etwa 2400 Arbeitsplätze in Deutschland. Die Standorte Husum und Trampe wurden geschlossen. In Bremerhaven, dem größten Senvion-Produktionsstandort in Deutschland, wird das Rotorenwerk geschlossen, das Gondelwerk bleibt dort erhalten.

Mehrere Faktoren machen der Windenergiebranche zu schaffen. „Wir sehen einen dramatischen Preisverfall bei den Strompreisen auf dem Weltmarkt“, sagte Fallois. Dies betreffe die Auktionen, auf denen der Bau neuer Windkraftanlagen ausgeschrieben werde, in Chile, Indien Australien, den USA – „und vor allem auch in Deutschland“.

Die Kannibalisierung der Preise sei schädlich für die Industrie. Es werde zu einem Konzentrationsprozess kommen, bei dem sehr viele Arbeitsplätze wegfallen oder ins Ausland verlagert werden. „In Deutschland brechen Arbeitsplätze und eine Riesenindustrie ein, wenn hier jetzt nicht die Politik handelt. Wir haben hier keine verlässlichen Rahmenbedingungen“, kritisierte Fallois. Er forderte von der künftigen Bundesregierung entsprechende Maßnahmen. Notwendig sei vor allem ein forcierter Netzausbau. Netz-Zusagen müssten auch klar in den Auktionsausschreibungen stehen: „Der Netzausbau muss der Energiewende folgen und nicht umgekehrt.“

Senvion habe mit seinem 2016 beschlossenen „Zukunftskonzept“ frühzeitig reagiert. Um die Kosten zu senken, würden – wie bei allen anderen Konkurrenten – Arbeitsplätze ins Ausland verlagert. „Wir haben in neuen Märkten Fuß gefasst und haben umgestellt auf Plattform-Konzepte und Modularisierung wie in der Autoindustrie.“ Nicht mehr jede einzelne Windkraftanlage werde neu designt. Aufträge oder absehbare Aufträge habe man in Chile, Argentinien und Australien erzielt. Im Entwicklungszentrum in Osterrönfeld (Kreis Rendsburg-Eckernförde) solle eine Mega-Turbine entwickelt werden für den Offshore-Bereich. Insgesamt müssten Windkraftanlagen effizienter werden und mehr Leistung bringen.

„Ich glaube, wir haben rechtzeitig das Segel gespannt und können deshalb beruhigter als andere durch die wilden Stürme des internationalen Windkraftmarktes fahren“, sagte Fallois. Dennoch blieben große Herausforderungen. Für 2018 könne Senvion noch keinen Ausblick geben. „Auch 2018 wird ein schwieriges Jahr und wir müssen sehr aufpassen, dass wir so gut durchkommen wie in diesem Jahr.“

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