Hamburg : Senat und HVV halten an Bahnsteigkarte fest – Kritik kommt von der CDU

Die Bahnsteigkarte im HVV ist eine Stunde für die Station gültig, an der sie gelöst wurde.
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Die Bahnsteigkarte im HVV ist eine Stunde für die Station gültig, an der sie gelöst wurde.

Nur in Hamburg und München existieren diese Zugangsticket für dem Nahverkehr noch – trotz hämischer Kritik und einer Nutzung, die gegen Null geht.

shz.de von
04. Januar 2018, 19:43 Uhr

Hamburg | Kaum einer kennt sie, noch weniger kaufen sie – und doch ist die Bahnsteigkarte im Hamburger Verkehrsverbund (HVV) nicht totzukriegen. Deutschlands ältester Verkehrsverbund und der Senat halten trotz hämischer Kritik an dem überholt wirkenden Zugangsticket fest. „Wir brauchen die Bahnsteigkarte, um Abgangskontrollen am Bahnsteigende durchführen zu können“, sagt HVV-Sprecher Rainer Vohl zur Begründung. Auch die Verkehrsbehörde will von der Bahnsteigkarte nicht lassen, die an Bahnhöfen im gesamten HVV-Gebiet gilt, auch im Umland.

Die Hamburger CDU macht sich dagegen über das „Relikt aus einer fernen Vergangenheit“ lustig, spricht von einem „Phantom“ und will in der Bürgerschaft noch im Januar die Abschaffung beantragen. Nicht nur die Deutsche Bahn verzichte schon lange auf Bahnsteigkarten, sagt CDU-Verkehrsexperte Dennis Thering, sondern auch nahezu alle Nahverkehrssysteme in Deutschland; einzige Ausnahmen seien die Verkehrsverbünde in München und eben in Hamburg. Gerade eine Stadt, die mit der Ausrichtung des Verkehrs-Weltkongresses 2021 die Mobilität von Morgen zeigen wolle, dürfe „nicht länger an sinnlosen Überbleibseln aus längst vergangenen Verkehrszeiten festhalten“.

Nutzung der Karte geht gegen Null

Im HVV muss jeder für 30 Cent eine Zutrittsberechtigung kaufen, der den Bahnsteig betreten will, ohne die Bahnen zu benutzen. Sie ist eine Stunde für die Station gültig, an der sie gelöst wurde. Die Regelung dient dem Kampf gegen Schwarzfahrer, da sie den Verkehrsunternehmen die Möglichkeit zu massenhaften Kartenkontrollen an den Ausgängen der Bahnsteige gibt. Wer dort ohne Fahrschein auffällt, kann nicht behaupten, nur mal eben einen Bekannten verabschiedet zu haben. Für den Zweck müsste er das umstrittene Ticket vorweisen. Kann er das nicht, wird ein erhöhtes Beförderungsentgelt von 60 Euro fällig.

Vermeintliche „Schwarzsteher“ würden damit genauso hart bestraft wie Schwarzfahrer, höhnt der CDU-Abgeordnete, der es zudem unverständlich findet, „dass der Senat mit dem Abschiedsschmerz der Fahrgäste Kasse machen möchte“.

Auf eine Kleine Anfrage Therings hin räumt der Senat ein, dass die Nutzung der Karte gegen Null geht. 2017 wurden nur knapp 8000 Exemplare verkauft, gut 600 davon im Speckgürtel. Angesichts von mehr als 770 Millionen Passagieren im Jahr liegt der Anteil der Zugangstickets damit im Promillebereich. Lediglich 2400 Euro Einnahmen flossen in die Kassen des HVV.

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