Sanierungsbedarf : Senat lässt Hamburger Brücken bröckeln

Holger Wohlfeil, Bauwerksprüfingenieur beim Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer, kontrolliert die Busanbrücke in der Hamburger Speicherstadt auf mögliche Schäden.

Holger Wohlfeil, Bauwerksprüfingenieur beim Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer, kontrolliert die Busanbrücke in der Hamburger Speicherstadt auf mögliche Schäden.

Nach dem Brückeneinsturz von Genua, wird nach Meinung der CDU zu wenig für die 1200 städtischen Hamburger Brücken getan.

shz.de von
15. September 2018, 10:26 Uhr

Hamburg | Die CDU wirft dem Hamburger Senat vor, nicht genug für den Erhalt der knapp 1200 städtischen Brücken zu tun.

So sei die als sanierungsbedürftig eingestufte Brückenfläche in den vergangenen vier Jahren von fast 45 auf knapp 50 Prozent gestiegen, sagte der Verkehrsexperte der Bürgerschaftsfraktion, Dennis Thering. „Dass der Sanierungsstau bei den Brücken in Hamburg trotz historisch hoher Steuereinnahmen in den letzten Jahren weiter anwachsen konnte zeigt, dass der Senat dieses Problem nicht auf dem Schirm hatte und dass er über einen sehr langen Zeitraum die falschen Prioritäten gesetzt hat.“

Der Verfall sei dramatisch, wie sich aus Senatsantworten auf mehrere von ihm gestellte Schriftliche Kleine Anfragen ergebe, sagte Thering. „50 Prozent der Brückenflächen in Hamburg sind mittlerweile sanierungsbedürftig.“ Und selbst für das Jahr 2020 peile der rot-grüne Senat lediglich an, die sanierungsbedürftige Brückenfläche auf 48,47 Prozent zu senken, was immer noch deutlich mehr als 2014 (44,87) wäre.

Das sei schwer nachvollziehbar. „Gleiches gilt für den Umstand, dass diese Mammutaufgabe planerisch von zurzeit gerade einmal 42 Vollzeitkräften beim Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer, der Hamburg Port Authority und der Hamburger Hochbahn gemeistert werden soll“, meinte Thering.

Unverständnis äußerte er über eine Aussage von Verkehrsstaatsrat Andreas Rieckhof (SPD), der dem „Hamburger Abendblatt“ Anfang August gesagt hatte, man habe „alle Brücken mit schlechten Zustandsnoten bereits im Visier“ und sei „in puncto Brückensanierung auf einem sehr guten Weg“. Hamburg sei zurecht stolz auf seinen Ruf als Europass Brückenhauptstadt, sagte Thering. „Doch Hamburgs Brücken bröckeln. Der Verfall ist dramatisch (...) Daran gibt es nichts schönzureden.“

Die Sanierungsbedürftigkeit der Brücken ist nicht zwingend mit einer Einschränkung der Verkehrssicherheit verbunden. Nach dem Brückeneinsturz im italienischen Genua hatte die Verkehrsbehörde Mitte August auf die Sicherheit der Bauwerke in der Hansestadt hingewiesen. „Alle Straßenbrücken in Hamburg sind stand- und verkehrssicher“, hieß es.

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