Hamburger Flughafen : Selbstbedienung am Check-Inn – Der Mensch, der Koffer und die Maschine

Mit dem neuen System scannen die Passagiere ihre Bordkarten ein, lassen sich Gepäckanhänger ausdrucken, befestigen sie selbst an den Gepäckstücken und stellen sie aufs Förderband.

Mit dem neuen System scannen die Passagiere ihre Bordkarten ein, lassen sich Gepäckanhänger ausdrucken, befestigen sie selbst an den Gepäckstücken und stellen sie aufs Förderband.

In Hamburg übernehmen Passagiere ab heute am neuen Gepäckautomaten offiziell die Aufgaben der Boden-Angestellten.

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23. Januar 2018, 14:11 Uhr

Hamburg | Klarer Fall von Vorführeffekt: Stefan Peikert hievt am Hamburger Flughafen seinen Koffer in einen der neuen Gepäckautomaten. Auf dem Bildschirm wählt der Plöner die Fluglinie aus, scannt die Bordkarte ein – und schon schiebt die Maschine den Kofferanhänger aus dem Drucker. Eigenhändig wickelt der Geschäftsreisende das selbstklebende Label um den Griff. Fertig. „Klappt gut“, urteilt der Fluggast überzeugt, für den es eine Premiere ist am Self-Bag-Drop-Terminal im Airport Helmut Schmidt. Gepäck aufgeben ohne Personal – es ist der nächste Schritt zur automatisierten Abfertigung im Zeitalter der Digitalisierung.

Dann freilich zickt der Computer doch – weil der Mensch noch plauscht. Das Förderband will sich nicht in Bewegung setzen, als Peikert auf das entsprechende Symbol tippt. Sein Koffer ein Stillleben. „Es ist zu viel Zeit vergangen, deshalb stoppt der Vorgang“, erklärt eine Airline-Mitarbeiterin, die mit mehreren Kollegen aus Fleisch und Blut bei Problemen zur Stelle ist. Stefan Peikert muss rüber zum Schalter, um das Gepäck loszuwerden. „Eigentlich“, sagt er nachdenklich, „finde ich es ganz gut, wenn Menschen den Koffer entgegennehmen.“

Das freilich dürfte in Hamburg zum Auslaufmodell werden. Deutschlands fünftgrößter Airport setzt auf automatisierten Service, nach dem Self-Check-In folgt jetzt die Gepäckaufgabe. Seit November ist in Terminal 1 eine Reihe mit zehn Bag-Drop-Stationen im Einsatz, seit Dienstag ganz offiziell. 50.000 Fluggäste hätten diese in der Testphase benutzt, berichten die Verantwortlichen zufrieden. „Die Passagiere wollen das, sie kommen damit zurecht, und ihnen gefällt das“, bilanziert Johannes Scharnberg, Leiter des Geschäftsbereichs Aviation des Flughafens. Weitere Kofferterminals würden folgen. 2,5 Millionen Euro hat die Flughafengesellschaft bisher in die Technik investiert.

Die Dortmunder Materna GmbH liefert die Geräte, die als wahre Alleskönner vorgestellt werden. Sie wiegen nicht nur, sie klassifizieren auch. „Die Automaten erkennen sofort, was nicht über die Anlage verschickt werden kann“, erläutert Sales-Direktor Reinhard Augustin. So identifiziert die Kamera- und Sensortechnik Sperrgepäck wie Kinderwagen und Trekking-Rucksäcke. Das Band stoppt, auf dem Display erfährt der Passagier, dass er sein Gepäck zum Sonderschalter bringen muss. Auch wird jedes Gepäckstück fotografiert – als Beweis, sollten Passagiere später Beschädigungen reklamieren. Vorgerüstet sind die Terminals zudem für Kartenzahlung bei Übergepäck und für Passerkennung.

Hamburg sei Vorreiter bei automatisierter Technik, so Scharnberg. Bag-Drop-Automaten gebe es zwar auch an anderen Flughäfen, aber nur in Fuhlsbüttel seien die Kofferautomaten so konzipiert, dass sie für alle Airlines passend arbeiten. Derzeit nutzen in dort KLM/Air France, Easyjet und die Lufthansa die Anlagen, letztere im Probebetrieb. Als einzige lässt bisher Easyjet den Fluggästen keine Wahl mehr zwischen Mensch und Maschine.

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