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Kritik an EU im Flüchtlingsdrama : „Sea Watch“ verlässt Hamburg Richtung Mittelmeer

vom

Der umgebaute Fischkutter soll Flüchtlingsschiffe in Not der Küstenwache melden. Das Thema ist aktueller denn je.

shz.de von
erstellt am 19.Apr.2015 | 18:54 Uhr

Hamburg | Nach den jüngsten Bootsunfällen mit Hunderten von toten Flüchtlingen im Mittelmeer hat die Initiative „Sea Watch“ die Flüchtlingspolitik der EU kritisiert. „Die EU und die Bundesregierung könnten gegen das Sterben im Mittelmeer mit einer Seenotrettung angehen“, sagte der Sprecher der Initiative, Harald Höppner, der Deutschen Presse-Agentur in Hamburg. „Das ist eine reine Geldfrage.“ Die Initiative hat im Harburger Hafen einen Fischkutter umgebaut.

Bald soll die „Sea Watch“ im Mittelmeer kreuzen und Flüchtlingsschiffe in Not der Küstenwache melden. Am Sonntagnachmittag hat der umgebaute Fischkutter Hamburg verlassen. Er wird zunächst nach Helgoland fahren und von dort über die Niederlande Richtung Malta.

„Das eingestellte Hilfsprogramm ,Mare Nostrum' wieder aufzunehmen und auf das gesamte Mittelmeer auszudehnen, wäre der richtige Weg“, sagte Höppner. Im Herbst 2014 hatte die Operation Triton der EU-Grenzschutzagentur Frontex Italiens Rettungsprogramm „Mare Nostrum“ abgelöst. Triton hat weniger Geld zur Verfügung und überwacht auch nur ein kleineres Seegebiet. Die EU-Kommission sagt, es gebe weder Geld noch politische Rückendeckung für solche Rettungsoperationen.

Höppner wies Kritik zurück, Rettungsaktionen im Mittelmeer würden nur das Geschäft der Schlepper erleichtern und Flüchtlinge ermutigen. „Die Flüchtlinge, die es bis an die Küste geschafft haben, denen ist es egal, ob es ,Mare Nostrum' gibt oder nicht. Sie sind durch die Sahara gekommen. Sie kommen von Orten, an denen ihnen Lebensgefahr droht. Die sagen sich: Wenn ich bleibe, bin ich sowieso bald tot. Wenn ich gehe, habe ich aber vielleicht eine Überlebenschance.“

Höppner und die Initiative aus Brandenburg gehen davon aus, dass die Zahl der Flüchtlinge noch steigt. „Wir sehen darin eine moderne Völkerwanderung. Sie wird ein riesiges Ausmaß annehmen“, sagte er. „Wir können nur mit unseren bescheidenen Mitteln versuchen mitzuhelfen, dass weniger Menschen sterben. Und wir können diese humanitäre Katastrophe öffentlicher machen“, betonte er.

„Diese Katastrophe ist so weit weg von Deutschland. Aber wir wollen sie näher an die Menschen hier heranbringen“, sagte Höppner und ist sich sicher: „Diesmal können die Politiker das System nicht aussitzen.“ Höppner: „Wenn wir einen Menschen retten, hat sich unsere Initiative schon gelohnt“, sagte Höppner. „Wenn es irgendwann wieder ,Mare Nostrum' gibt, hat sie sich gelohnt. Und wenn es irgendwann eine bessere, eine humane Flüchtlingspolitik gibt, haben wir unser Ziel erreicht.“

Erst vor einer Woche waren nach einem Unglück vor der libyschen Küste 400 Bootsflüchtlinge vermisst worden. Nach dem Kentern eines Flüchtlingsschiffes in der Nacht zum Sonntag vor der libyschen Küste wird befürchtet, dass bis zu 700 Menschen ertrunken sein könnten.

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