Schiffstaufe in Hamburg : „Sea Watch 2“: Mit diesem Schiff sollen bald Flüchtlinge gerettet werden

Das ehemalige Forschungsschiff „Clupea“ wurde zur „Sea Watch“ umgebaut. Finanziert wurde das privat initiierte Projekt aus Spenden und Eigenmitteln.
Das ehemalige Forschungsschiff „Clupea“ wurde zur „Sea Watch“ umgebaut. Finanziert wurde das privat initiierte Projekt aus Spenden und Eigenmitteln.

Finanziert wurde die „Sea Watch 2“ ausschließlich aus Spenden und Eigenmitteln. Ab April soll das Schiff im Einsatz sein.

shz.de von
18. März 2016, 14:00 Uhr

Hamburg | In Hamburg ist am Freitag das zweite Schiff der privaten Initiative „Sea Watch“ zur Rettung von Bootsflüchtlingen im Mittelmeer getauft worden. Die „Sea Watch 2“ soll von Ende April an im Mittelmeer vor der libyschen Küste kreuzen und Menschen in Seenot helfen. Die aus Eigenmitteln und Spenden finanzierte Hilfsaktion hatte vor einem Jahr mit einem 100 Jahre alten Fischerboot, der „Sea Watch“, begonnen.

Auf der gefährlichen Überfahrt über das Mittelmeer zwischen Afrika und Europa sind schon Tausende Menschen ertrunken. Umso wichtiger sind die Rettungsboote: Viele Flüchtlinge wurden durch sie in letzter Sekunde gerettet.

Im vergangenen Jahr seien mehr als 2000 Menschen gerettet worden, hieß es. Das neue Schiff ist mit 33 Metern Länge und 8 Metern Breite doppelt so groß wie die erste „Sea Watch“, ganzjährig einsetzbar und bietet auch Platz für die medizinische Versorgung. Seit Oktober vergangenen Jahres ist die Initiative aus Brandenburg mit schnellen Schlauchbooten auch in der Ägäis bei Lesbos im Einsatz.

„Sea Watch“-Initiator Harald Höppner befürchtet negative Folgen der Bemühungen, die Fluchtrouten zu schließen. „Durch die verstärkten Patrouillen von türkischer und griechischer Küstenwache und den Einsatz von Frontex und Nato haben sich die Routen der Flüchtlinge bereits geändert“, sagte Höppner der Deutschen Presse-Agentur.

„Früher nahmen die meisten die kürzeste Route von der Türkei in den Nordosten von Lesbos. Jetzt kommen die Boote auch entlang der felsigen Steilküste im Osten bis runter nach Mytilini im Süden an.“ „Und sie fahren jetzt fast alle in der Nacht“, sagte Höppner, der eben von einem einwöchigen Einsatz auf Lesbos zurückgekehrt ist. „Die Überfahrt wird natürlich riskanter, wenn man Untiefen und Felsen nicht erkennen kann.“ Dennoch werde es nicht gelingen, die Flucht zu stoppen. „Die Flüchtlinge lassen sich aber davon nicht abhalten. Die Flucht wird weitergehen.“ Höppner vermutet, dass die Flucht sich wieder stärker ins zentrale Mittelmeer verlagern wird.

Nach Angaben des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen UNHCR, sind seit Jahresbeginn mehr als 150.000 Menschen über das Mittelmeer nach Europa gekommen (Vorjahreszeitraum: gut 23.000). Mehr als 140.000 davon reisten über Griechenland ein. UNHCR geht von rund 450 Toten oder Vermissten aus.

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