Hamburg : Schutz vor Fluglärm auf Ausschuss-Agenda - weniger Verstöße im Juli

Zwischen 24 und 6 Uhr ist Nachtflugverbot. Reicht das aus?
Zwischen 24 und 6 Uhr ist Nachtflugverbot. Reicht das aus?

Eine Petition fordert ein Nachtflugverbot schon ab 22 Uhr. Der Airport-Chef warnt vor Passagierverlust.

shz.de von
05. September 2018, 17:46 Uhr

Hamburg | Viele wollen Urlaub – keiner will Lärm: Mit der Belästigung durch den nächtlichen Flugverkehr beschäftigt sich der Hamburger Umweltausschuss. Auch wenn es statistisch weniger Flüge nach 23 Uhr gab. Im Ferienmonat Juli ist die Zahl der nach 23 Uhr am Hamburger Flughafen gestarteten und gelandeten Flugzeuge zurückgegangen. 170 Fälle bedeuteten sechs Prozent weniger als im Vorjahresmonat. Fast die Hälfte der Verspätungen zwischen 23 Uhr und 24 Uhr sei auf die Überlastung des europäischen Luftraums zurückzuführen gewesen, teilte der Airport in seinem Monatsbericht mit. In Hamburg dürfen Flugzeuge nur, wenn es unvermeidbar ist, nach 23 Uhr ankommen oder abheben. Unabhängig vom Grund hierfür müssen sie deutlich höhere Entgelte entrichten. Zwischen 24 Uhr und 6 Uhr gilt in Hamburg ein Nachtflugverbot.

Mit einem Antrag der rot-grünen Koalition zum Schutz vor Fluglärm werden sich am Donnerstag die Mitglieder des Umweltausschusses der Bürgerschaft auseinandersetzen, wie eine Sprecherin der Grünen-Fraktion berichtete. Zum Inhalt des Antrags wurde offiziell noch nichts bekannt. Auf der Tagesordnung steht auch eine Volkspetition, mit der ein striktes Nachtflugverbot schon ab 22 gefordert wird. 2017 hatte der BUND mehr als 12.000 Unterschriften hierfür gesammelt.

Im ersten Halbjahr 2018 wurde nach Flughafen-Angaben für 577 Flüge die Verspätungsregelung in Anspruch genommen, 42 Prozent betrafen die erste Viertelstunde nach 23 Uhr. Im Berichtszeitraum seien 26 Tage von extremen Wetterlagen geprägt gewesen, die den Flugverkehr beeinträchtigen, teilte der Flughafen mit. 2017 waren 1038 verspätete Flüge registriert worden. Von Januar bis Ende Juli fertigte der Flughafen knapp zehn Millionen Passagiere ab.

500 Euro pro Ausnahmegenehmigung

Rückwirkend zum 1. Juli wird Fluggesellschaften nach Angaben der Fluglärmschutzbeauftragten Gudrun Pieroh-Joußen eine weitere Gebühr berechnet. Die Prüfung, warum die Verspätung in Anspruch genommen werde, sei ein Aufwand und daher zu entschädigen – mit 500 Euro pro Ausnahmegenehmigung, sagte sie.

Sie rechnet auch damit, dass bei der 30-Prozent-Quote nachgesteuert werden muss. Seien 30 Prozent der Flüge einer Airline innerhalb von vier Monaten verspätet, sei von einem Planungsfehler auszugehen, erläuterte die Beauftragte. Er werde dann von ihr geahndet. Der Zeitraum werde jedoch unterlaufen.

In aktuell 20 Ordnungswidrigkeitsverfahren sei von Fluggesellschaften Einspruch gegen die verhängten Bußgelder erhoben worden, berichtete die Fluglärmschutzbeauftragte. Sie hatte der Billig-Fluglinie Easyjet für 2017 wegen 21 unbegründeter verspäteter Starts nach 23 Uhr rund 468.000 Euro in Rechnung gestellt.

Der Radiosender NDR 90,3 berichtete, zum Nachtflugverbot wolle Rot-Grün einen neuen Kompromiss finden. Angaben, wonach es Starts nach 23 Uhr auch im Ausnahmefall nicht mehr geben soll und verspätete Landungen nur noch bis 23.30 Uhr, wurden als Spekulation bewertet. Die Wirtschaftsbehörde hatte 2017 einen Vorschlag der Fluglärmschutzkommission (FLSK) abgelehnt, verspätete Flüge nur noch bis 23.30 Uhr zuzulassen. Die FLSK ist ein Beratungsgremium mit Vertretern der Bezirke und Anliegergemeinden des Airports sowie Fluggesellschaften und Fachbehörden.

Airport-Chef Michael Eggenschwiler warnte vor einer Verschärfung. Im international eng vernetzten Luftverkehr reiche oft schon eine kleine Verzögerung, zum Beispiel durch ein Unwetter, eine technische Störung oder einen medizinischen Notfall, für eine Verspätung. Ohne die bestehende Verspätungsregelung müssten Flüge zu anderen Flughäfen wie Hannover oder Rostock-Laage umgeleitet werden. Infolgedessen sei mit einem Passagierverlust, dem Abzug stationierter Flugzeuge und einem Umsatzrückgang zu rechnen. Der Airport gehört mehrheitlich der Stadt.

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