Riskokalkulator : Schnellere Herzinfarkt-Diagnose: Mediziner am UKE entwickeln neues Verfahren

Mit dem neuen Verfahren soll es künftig in etwa einer Stunde möglich sein, einen Herzinfarkt festzustellen. Bisher dauerte dies bis zu zwölf Stunden.

Mit dem neuen Verfahren soll es künftig in etwa einer Stunde möglich sein, einen Herzinfarkt festzustellen. Bisher dauerte dies bis zu zwölf Stunden.

Indikator Troponinwerte: Die Wissenschaftler werteten Daten von mehr als 22.000 Patienten aus 13 Ländern aus.

Avatar_shz von
27. Juni 2019, 07:34 Uhr

Ein internationales Team von Wissenschaftlern unter Federführung Hamburger Mediziner hat ein neues Verfahren zur Diagnose von Herzinfarkten entwickelt. Es sei deutlich schneller und sicherer als die bisherige Methode, teilte das Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) mit.

Patienten mit Verdacht auf die lebensbedrohliche Durchblutungsstörung des Herzmuskels werden üblicherweise zunächst per EKG untersucht. Ist das Ergebnis nicht eindeutig, wird der sogenannte Troponin-Wert im Blut gemessen. Dabei handelt es sich um Proteine, die nur bei einer Schädigung der Herzmuskelzellen ins Blut gelangen.

Entscheidend sei aber nicht ein bestimmter Grenzwert, sondern das Ansteigen des Wertes innerhalb kurzer Zeit, erklärte der Ärztliche Direktor des Universitären Herz- und Gefäßzentrums, Prof. Stefan Blankenberg.

Die Wissenschaftler werteten die Daten von mehr als 22.000 Patienten aus 13 Ländern aus, bei denen die Troponinwerte nach Ankunft in der Notaufnahme und bis zu dreieinhalb Stunden später gemessen wurden.

Lediglich 15 Prozent hatten wirklich einen Herzinfarkt. Mehr als die Hälfte der Patienten (57 Prozent) gehörten jedoch zu einer Niedrig-Risiko-Gruppe, bei der die Proteine im Blut nur ganz geringfügig steigen.

Aus den Daten entwickelten die Forscher einen Algorithmus für einen Risikokalkulator, der künftig innerhalb von rund einer Stunde eine gesicherte Diagnose liefern soll. Bislang müssen Patienten bis zu zwölf Stunden darauf warten. Die Wissenschaftler veröffentlichten ihre Erkenntnisse in der amerikanischen Fachzeitschrift „New England Journal of Medicine“.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen