Hamburg : Schneckentempo ade: Schnelles Internet für den Hafen

Hamburger Hafen

Ab damit unter die Erde: Beginn des Glasfaser-Verlegung im Hafen mit Wirtschaftssenator Frank Horch (Mitte), HPA-Chef Jens Meier und Telekom-Vorstand Dirk Wössner.

Bisher war der Hafenbereich noch mit alten Kupferleitungen ausgestattet. Jetzt beginnt der Glasfaserausbau.

shz.de von
14. Juni 2018, 18:39 Uhr

Hamburg | Ausgerechnet das Tor zur Welt als Nadelöhr zur digitalen Zukunft: In Sachen schneller Internetverbindungen sind Teile des Hamburger Hafens lange Zeit ein weißer Fleck gewesen, noch immer hängen hunderte Firmen an antiquierten Kupferkabeln. Jetzt allerdings soll der Durchbruch ins neue Datenzeitalter endgültig gelingen. Am Donnerstag hat die Telekom den Glasfaserausbau im Hafen gestartet und folgt damit dem Anbieter 1&1 Versatel. 

„Wir wollen Partner für Hamburger Unternehmen sein und sie fit machen für die Digitalisierung“, kündigte Telekom-Vorstand Dirk Wössner an. An der Seite von Wirtschaftssenator Frank Horch (parteilos) und dem Chef der Hafenbehörde HPA, Jens Meier, brachte er symbolisch die ersten Glasfaserstränge ins Erdreich.

Auf den technologischen Befreiungsschlag hat die Wirtschaft lange gewartet. Einige Bereiche des Hafengebiets sind nach wie vor mit herkömmlichen Kupferleitungen an die Telekommunikationsnetze angebunden. Weil die Entfernungen zu den Hauptverteilern bis zu fünf Kilometern betragen, klagten zuletzt noch etwa 400 Firmen über Internet im Schneckentempo – und das, obwohl die Stadt den Smart Port ausgerufen hat. In manchen Fällen hatten Unternehmen ihren Mitarbeiter große Datenpakete auf USB-Sticks mit gegeben, um sie von zu Hause zu verschicken. FDP-Fraktionschef Michael Kruse kritisierte den Senat gestern nochmals wegen der „katastrophalen Ausbauquoten“ im Hafen.

Dies werde sich nun ändern, so Horch. Im vergangenen Herbst hatte 1&1 Versatel ein erstes Gewebegebiet im Hafen per Glasfaser angebunden. Nun folgt die Telekom, die dort im ersten Bauabschnitt vier Bereiche verkabeln will. Im gesamten Hamburger Stadtgebiet bringt das Unternehmen bis Mitte 2019 fast 1000 Betriebe Glasfaser bis aufs Firmengelände. Die Leitungen übertragen Daten in Lichtgeschwindigkeit mit Tranferraten von bis zu einem Gigabit pro Sekunde.

Bundesweit investiert die Telekom laut Wössner bis 2022 mehr als zwei Milliarden Euro, um 3000 Gewerbegebiete mit mehr als 400.000 Unternehmen an das schnelle Netz anzuschließen.

Horch und Meier bekannten sich erneut zur weitereichenden Digitalisierung des größten deutschen Seehafens und verwiesen auf den angelaufenen Probebetrieb für den Zukunftsstandard 5G. Dieser ermöglicht extreme schnell kabellose Datenübertragungen über Handys und Tablets. Gemeinsam mit der Telekom und mit Nokia testet Hamburg die Technologie im Rahmen eines EU-Projekts. Die FDP-Opposition bleibt dennoch skeptisch. Den Versprechungen müssten Taten folgen, forderte Fraktionschef Kruse. „Ankündigungssenator Horch muss nun endlich Breitband für den Hafen liefern.“

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